Die Stimme Kroatiens

22:53 / 09.10.2026.

Autor: Tonči Petrić

Stimme Kroatiens in Seattle: Wie das digitale Zeitalter Kroatien und Amerika verbindet

ACAP-Konferenz in Seattle
ACAP
Foto: / / GH

Die Stadt Seattle war der Gastgeber für die zehnte Jubiläumskonferenz der Association of Croatian American Professionals (ACAP), die unter dem Motto „Kroatische Exzellenz“ steht. Wer sind die Menschen, denen wir dort begegnet sind? Kroaten, die Schlüsselpositionen in amerikanischen Technologieunternehmen bekleiden, Wissenschaftler, die an renommierten Instituten gegen schwerste Krankheiten kämpfen, und Unternehmer, die Grenzen überwunden und bewiesen haben, dass eine Vision aus einem kleinen Land zu einem globalen Netzwerk mit mehr als 5.000 Mitgliedern werden kann.

Hinter ihnen liegt ein Jahrzehnt konkreter Erfolge: von ihrer maßgeblichen Rolle und Lobbyarbeit für das historische Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und Kroatien über die Gründung einer Stiftung zur Förderung junger Führungskräfte bis zum Aufbau enger wissenschaftlicher Verbindungen mit der Heimat.


Ein Netzwerk mit mehr als 5.000 Mitgliedern


Zehn Niederlassungen in Kroatien und den Vereinigten Staaten mit mehr als 5.000 Mitgliedern kroatischer Herkunft – die Stärke dieses Netzwerks reicht weit über die Grenzen beider Länder hinaus. Die Kombination aus Wissen, Erfahrung und Weitblick, die ACAP heute vereint, entspricht den Anforderungen unserer Zeit.


„Eine Sache, die ACAP gezeigt hat, ist, wie viele herausragende Persönlichkeiten wir in diesem Land haben – von Ärzten über Technologen bis zu Finanzexperten. Unsere Mission ist es, all diese Menschen in einem Netzwerk zusammenzubringen und dieses weiter auszubauen. Wenn Menschen aus Kroatien in die USA kommen, finden wir sie häufig in der Technologiebranche, im Gesundheitswesen und im Finanzsektor, aber auch in Bereichen wie Marketing, Medien und Unterhaltung. Jedes Jahr entdecken wir aufs Neue, wie viele von uns es gibt und wie viel wir leisten können. So bauen wir unser Netzwerk weiter aus“, erklärt Krešimir Marušić, Vorsitzender der ACAP-Stiftung.


Mentoring und Förderung junger Talente


Philanthropie und Mentoring gehören zu den Grundpfeilern der ACAP‑Arbeit. Viele junge Fachkräfte haben dadurch ihren Weg gefunden – darunter auch die ehemalige Basketballspielerin Marta Galić.


„Wenn es während meiner beruflichen Übergangsphase bereits ein Programm wie dieses und ein Mentoring-Angebot gegeben hätte, wie wir es heute mit ACAP aufbauen wollen, hätte mir das sehr geholfen. Als junge Berufstätige möchte ich deshalb ehemaligen Sportlerinnen und Sportlern neue Wege eröffnen – so, wie ACAP es für mich getan hat und weiterhin tut.“


Auch die ehemalige Volleyballspielerin Orsula Štaka nahm an der Konferenz teil, um neue Kontakte zu knüpfen und Fachleute kennenzulernen. „Ich möchte mich mit Menschen vernetzen. Ich denke, das ist eine hervorragende Gelegenheit für junge Menschen, neue Kontakte zu knüpfen und ihre berufliche Laufbahn aufzubauen. Gerade wir Studierenden benötigen möglichst viele Mentoren, die uns zeigen, wie es nach dem Medizinstudium weitergehen kann und wie wir in die Berufswelt einsteigen.“


Stipendien eröffnen neue Perspektiven


Über die Stiftung Future Leaders fördert ACAP auch Studierende. Die Konferenz bietet ihnen zugleich die Gelegenheit, über berufliche Möglichkeiten in Kroatien nachzudenken.


Ana Berliner, Studentin an der University of Virginia, schätzt vorwiegend den Austausch mit anderen Teilnehmern. „Es ist interessant zu erfahren, woran andere Menschen arbeiten. Hier ist beispielsweise noch ein Student, der Public Health studiert, mit dem ich mich unterhalten habe. Außerdem lerne ich Ärzte und andere Menschen kennen, die sowohl in Kroatien als auch hier arbeiten. So kann ich herausfinden, wo ich später beruflich tätig sein könnte und welche Möglichkeiten es gibt.“


Marija Marela Klepo, Direktorin des ACAP Career Hub, unterstreicht die Bedeutung dieses Angebots. „Der Career Hub soll dir helfen, Inspiration zu finden: Wohin möchtest du gehen? Wer kann dich unterstützen? Was musst du lernen? Wir sagen immer, dass Fähigkeiten die wertvollste Ressource in deiner Karriere sind – ebenso wie Mentoren. Du benötigst jemanden, der weiß, wie etwas funktioniert, und dir hilft, Dinge zu erkennen, die du bisher noch nie gesehen hast.“


Der Karrierebereich der Stiftung konzentriert sich darauf, kroatische und amerikanische Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen miteinander zu vernetzen. Zu den Teilnehmern gehörte auch Mark Rusinović von Microsoft.


„Ich freue mich sehr, zur ACAP-Konferenz eingeladen worden zu sein und meine Erfahrungen bei Microsoft weitergeben zu können, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Ich hoffe, positive Erfahrungen und Botschaften vermitteln zu können, denn mir ist bewusst, dass es gewisse Ängste gibt. Unternehmen wie Microsoft wollen Menschen mit diesen Technologien helfen und sie nicht benachteiligen“, erklärte Rusinović.


Praktika in Kroatien für junge Amerikaner kroatischer Herkunft


Marušić kündigte außerdem ein neues Projekt für das kommende Jahr an. „Nächstes Jahr werden wir in Kroatien ein Praktikumsprogramm mit Unternehmen vor Ort organisieren. Wir wollen junge Amerikaner kroatischer Herkunft für Praktika in die Heimat bringen, damit sie das Land kennenlernen und mit kroatischen Unternehmen zusammenarbeiten können. Viele dieser Unternehmen sind bereits international erfolgreich.“


Barać: Stärkere Verbindungen zur Zivilgesellschaft


Zum ersten Mal nahm auch ein Vertreter des kroatischen Ministeriums für Demografie und Einwanderung an der Konferenz teil. Staatssekretär Mladen Barać überbrachte die Botschaft aus der Heimat.


„Unser Schwerpunkt liegt darauf, die Verbindungen zur Zivilgesellschaft zu stärken. Sie kann wesentlich dazu beitragen, für eine Rückkehr nach Kroatien und die Möglichkeiten zu werben, die das Land den Angehörigen der kroatischen Diaspora bietet. Dabei muss nicht jedes Interesse zwangsläufig in einer Rückkehr münden. Es liegt sehr wohl in unserem Interesse, dass diese Menschen ihrer Heimat auch auf andere Weise verbunden bleiben“, sagte Barać.


Deshalb bemühe sich der Staat intensiv darum, Kontakte zum kroatischen Arbeitsmarkt zu erleichtern: „Derzeit gibt es eine Reihe von Hindernissen für Menschen, die in Kroatien investieren möchten. Dazu gehören etwa die Eröffnung eines Bankkontos oder die Möglichkeit, Geschäftspartnerschaften mit Menschen vor Ort einzugehen. Diese Hürden wollen wir überwinden, sobald das Gesetz zur demografischen Erneuerung Kroatiens verabschiedet ist. Ein zentrales Kapitel wird sich mit der Rückkehr der kroatischen Diaspora befassen. Denn eine demografische Erneuerung können wir uns ohne das enorme Potenzial der kroatischen Diaspora nicht vorstellen“, betonte Barać.

Galerija
Krešimir Marušić, Foto: GH/HRT
Marta Galić, Foto: GH/HRTMarija Klepo, Foto: GH/HRTMark Rusinović, Foto: GH/HRTMladen Barać, Foto: gh/hrtAlen Matanić, Foto: gh/hrtVladimir Brnardić, Foto: Glas Hrvatske/HRT

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