Die kroatische Küstenstadt Zadar plant eine umfassende Neuregelung der Immobiliensteuer. Künftig soll das Stadtgebiet in drei Steuerzonen unterteilt werden. Besonders stark betroffen wären Eigentümer von Immobilien in der historischen Altstadt, wo die jährliche Steuer um mehr als 700 Prozent steigen könnte. Ziel der Stadtverwaltung ist es, leerstehende Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen und langfristige Mietverhältnisse zu fördern.
Bislang beträgt die jährliche Immobiliensteuer in Zadar einheitlich 0,60 Euro pro Quadratmeter. Nach dem neuen Vorschlag soll sie auf der historischen Halbinsel (Poluotok) auf fünf Euro pro Quadratmeter steigen. In den übrigen Stadtteilen wären drei Euro und auf den zum Stadtgebiet gehörenden Inseln zwei Euro pro Quadratmeter vorgesehen.
Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung in der Altstadt würde sich die jährliche Steuer damit von bisher 42 Euro auf 350 Euro erhöhen. Das entspricht einem Anstieg von rund 733 Prozent.
Stadt will mehr Wohnraum für Einheimische schaffen
Die Stadtverwaltung begründet die geplante Steuererhöhung mit dem angespannten Wohnungsmarkt. Insbesondere junge Familien sollen künftig bessere Chancen erhalten, eine Wohnung zu erschwinglichen Preisen zu finden.
Nach Angaben von Ivan Mijolović, Leiter der Finanzabteilung der Stadt Zadar, sollen Immobilien verstärkt ganzjährig genutzt und dem langfristigen Mietmarkt zugeführt werden.
Allein auf der historischen Halbinsel sind rund 4.500 Betten für die touristische Vermietung registriert. Die geplante Steuererhöhung dürfte daher insbesondere private Ferienwohnungsvermieter treffen.
Vertreter der Branche kritisieren die zusätzlichen finanziellen Belastungen. Klaudio Grdović, Vorsitzender des Verbandes privater Vermieter der Gespanschaft Zadar, weist darauf hin, dass die jährlichen Abgaben für eine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern innerhalb weniger Jahre von etwa 400 bis 500 Euro auf nahezu 2.000 Euro gestiegen seien. Betriebskosten wie Strom, Wasser und Müllentsorgung seien dabei noch nicht berücksichtigt.
Zusätzliche Einnahmen für leistbaren Wohnraum
Den Großteil der zusätzlichen Steuereinnahmen will die Stadt in den Bau leistbarer Wohnungen investieren.
Immobilienmakler Nikica Begonja hält die Maßnahme grundsätzlich für sinnvoll, sofern die Einnahmen tatsächlich zweckgebunden verwendet werden. Positiv bewertet er, dass die Stadt nicht den gesetzlichen Höchstsatz von acht Euro pro Quadratmeter ausschöpfen möchte.
Allerdings erwartet Begonja keine wesentlichen Auswirkungen auf die Immobilienpreise oder das Wohnungsangebot. Die Nachfrage nach Wohnraum sei weiterhin deutlich höher als das Angebot.
Entscheidung des Stadtrats steht noch aus
Unter den Einwohnern und privaten Vermietern stößt die geplante Erhöhung auf Kritik. Sie befürchten zusätzliche finanzielle Belastungen und eine Benachteiligung kleiner Vermieter gegenüber größeren Marktteilnehmern.
Ob die neuen Steuersätze tatsächlich eingeführt werden, ist noch offen. Der Vorschlag muss zunächst vom Stadtrat von Zadar beschlossen werden.