Illustration (Foto: Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Schätzungsweise 3.000 Besucher kamen am 19. Juli 2020 in das kleine Dorf im dalmatinischen Hinterland, um dem dort alljährlich stattfindenden traditionellen Stierkampf beizuwohnen. Vor Corona berichteten manche Medien von bis zu 15.000 Besuchern bei dieser Veranstaltung, entsprechend Platz bietet das gesamte Gelände auch. 34 Bullen aus den Regionen Dalmatien und Lika traten in 16 Kämpfen gegeneinander an, wobei der Ochse HLAPIĆ als Gewinner im Kampf gegen COVID-19 das Feld verließ.

Wenn auch dieser besondere Stiername eine humorvolle Einstellung zur aktuellen Lage implizieren mag, so wurden die aktuell geltenden Coronamaßnahmen trotz der Größe der Veranstaltung hervorragend umgesetzt. Alle Besucher wurden ordnungsgemäß registriert, das Servicepersonal trug durchweg Mund-Nasen-Bedeckungen, Händedesinfektion stand zur Verfügung und das Gelände bot auch trotz hoher Besucherzahl ausreichend Platz, um einen notwendigen Sicherheitsabstand auf Wunsch problemlos  einhalten zu können. Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen waren zur Sicherheit aller Teilnehmer und Besucher ebenfalls vor Ort.

Die Veranstaltung rund um die Bikijade gilt als Fest für die ganze Familie. Neben den Stierkämpfen sorgen Musik, Wettkämpfe in alten Sportarten, wie etwa Armdrücken, sowie weitere kleinere Attraktionen, ob Schlangen zum Bewundern und Anfassen, Ponyreiten oder Spielzeugstände für Kinder für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Überall gibt es Sitzmöglichkeiten und gemütliche Plätze, um das ausgelassene, aber friedliche Treiben in Ruhe zu verfolgen. Die Kinder genießen zudem eine herrliche Bewegungsfreiheit auf dem weitläufigen Spielplatz im Schatten. Der Veranstalter der Bikijade in Radošić beschreibt das Gelände mit seiner Arena als das schönste und größte im dalmatinischen Hinterland und verweist zudem auf die bereits 33 Jahre alte Tradition des Festes. Für das leibliche Wohl war mit traditionellen Speisen wie gebratenem Lammfleisch, Ćevapčići, Uštipci aus dem dalmatinischen Hinterland, Fritule sowie Snacks wie Popcorn und Getränken ausreichend gesorgt.

Diese Art der Stierkämpfe, bei denen kein Matador gegen einen Stier, sondern Bulle gegen Bulle kämpft, sind eine immer beliebter werdende Tradition in Kroatien, ebenso wie sie für Diskussionen unter Tierschützern sorgen. Hier kritisiert man einen künstlich herbeigeführten Kampf unter den Tieren und sagt, dass die Stiere vorab bewusst aggressiv gemacht werden, damit sie aufeinander losgehen.

Die Stiere der sichtlich stolzen Besitzer standen wohlbehütet an schattigen Plätzen hinter der Arena, stets umsorgt von gleich mehreren Anvertrauten der Besitzer. Entgegen mancher Kritik von Tierschützern war hier kein schlechter Umgang mit den Tieren zu erkennen, weder wurden diese eingepfercht, noch durch Peitschen oder sonstige Aktivitäten wild gemacht zum Kampf, auch sind die Stiere nicht auffällig aggressiv aufeinandergetroffen als vielmehr so, wie sie sich in freier Wildbahn vermutlich auch begegnen würden, manche neugierig und angriffslustig, manche desinteressiert. In vielen Fällen hatte sich der Kampf gleich mit Weglaufen eines von zwei Bullen erledigt und galt dann auch für den jeweils anderen als gewonnen und somit beendet. Vielmehr als um den tatsächlichen Kampf scheint es den Besitzern bei dem Event um das stolze Präsentieren ihrer durchaus prächtig schönen Bullen zu gehen. Die anwesenden Tiere waren zwischen 600 und 1000 Kilogramm schwer und Kreuzungen aus einheimischen Rassen, zwischen Arbeits- und Kampfstieren, die früher zum Pflügen und für die Landwirtschaft genutzt wurden, bis sie schließlich durch Maschinen ersetzt wurden. Eine kleine Show, bei der es durchaus zu kleineren Stierkämpfen kommt, im Hinblick auf die Sicherheit jedoch keine Gefahren in Kauf genommen werden. Auch ist davon auszugehen, dass jeder der Teilnehmer seinen Stier am Ende auch wieder unversehrt mitnehmen möchte, hat er schließlich viel Arbeit, Geld und Herzblut hineingesteckt. So erzählt der Veranstalter, dass die Tiere monatelang auf den Wettkampf vorbereitet werden, was in erster Linie eine qualitativ  hochwertige Fütterung umfasst. So bekommen seine Stiere zum Beispiel gekochtes Essen. Als zweitwichtigsten Punkt der Stiervorbereitung nennt er Konditions- und Krafttraining, wobei die Erholung für die Tiere aufgrund dessen ebenso wichtig sei. Der abgegrenzte Bereich der Stiere war jederzeit auch für Besucher frei zugänglich. So konnte man sich ein Bild von den Stieren und dem Umgang mit ihnen machen, der, soweit man sehen konnte, sehr liebevoll war.

Ob die Vermutungen der Stierkampfkritiker in einzelnen Fällen stimmen, lässt sich nach dem Besuch einer Veranstaltung nicht sagen, jedoch soviel, dass es sich nicht um die brutale Art Stierkampf handelt, die die meisten womöglich erwarten würden. Ob es das nun besser macht oder nicht, ob die Show schön ist oder nicht, darüber werden sich weiterhin die Geister scheiden. Für die Besucher jedenfalls war es ersichtlich und auch laut Feedback an den Veranstalter rundherum ein tolles und gelungenes Fest.

--- BEZ NASLOVA ---

Bikijade Radošić

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