Nela Sršen (Foto:HRT) Nela Sršen (Foto:HRT)

Die Situation mit Coronavirus in Italien und Kroatien ist nicht dieselbe.

"Dank der guten Arbeit des Zivilschutzes gibt es in Kroatien eine viel geringere Anzahl infizierter und toter Menschen", sagte Dr.med. Nela Sršen gegenüber Slobodna Dalmacija.

Die gebürtige Kroatin hat es nach sechs Monaten ununterbrochener Arbeit am Universitätsklinikum in Padua und der Bekämpfung des Virus geschafft, ihre Mutter in Metković zu besuchen.

„Ich habe mich am meisten um sie gesorgt. Es war schwer für mich, sie nicht umarmen zu können“, erklärte die Ärztin, bei der die dreimonatige Coronankrise tiefe Spuren hinterlassen hat.

Sršen ist wütend auf die Kroaten, weil sie ihrer Meinung nach, nonchalant sind.

„Masken werden nicht getragen, soziale Distanz wird nicht respektiert und alle reden über eine zweite Welle und zählen neu infizierte Personen“, betonte sie.

Sršen war selbst in direktem Kontakt mit dem Coronavirus im Operationssaal des Universitätsklinikums von Padua, wo sie als Chirurgin arbeitet.

Auch musste sie zwei Wochen lang in Selbstisolation.

„Nur weil der Lockdown beendet ist, bedeutet das nicht, dass das Virus verschwunden ist. Es gibt noch kleine Hotspots. Die Situation ist jedoch nicht mehr die gleiche wie im Februar. Wenn wir positive Patienten haben, müssen sie nicht mehr reanimiert werden. Das Virus ist definitiv abgeschwächt. Es verändert sich im Laufe der Zeit, aber nicht, weil es mutiert ist. Es gibt vierzehn kleinere Mutationen, die ein Impfstoff abdecken würde. Das neue Virus hat aber eine Hülle, die nicht mutiert. Und genau das macht den Unterschied zum Grippeimpfstoff aus. Jedes Jahr muss ein neuer Impfstoff hergestellt werden, da sich das Grippevirus ändert. Beim Coronavirus ist dies nicht der Fall. Am Ende bleibt die Frage, ob überhaupt ein Coronavirus-Impfstoff notwendig sein wird", meint Sršen.

Auch ist die Ärztin der Meinung, dass der Zivilschutz und die Epidemiologen ihr Testparameter ändern müssen.

Man könne sich nämlich nicht mehr so verhalten wie vor drei Monaten, weil das Virus offensichtlich abgeschwächt sei.

Des Weiteren erklärte Sršen: „Alle, die heute positiv auf das Virus sind, müssen nicht unbedingt ansteckend für die Umwelt sein, aber das wird derzeit in Kroatien nicht eingesehen. Wenn der Zivilschutz Daten zu neuen Fällen präsentiert sagt er bespielsweise: „Wir haben drei positive Fälle“. In unserem Bewusstsein entsteht ein Bild von drei Patienten, die ansteckend sind und andere Menschen infizieren können. Bekanntlich tötet eine hohe Virusladung gesunde Zellen sehr schnell ab. Wir haben die Folgen davon gesehen. Tausende Menschen in Italien infizierten sich und starben. Wenn die Virusladung jedoch niedrig ist, kann sie keine Zellen infizieren. Somit ist die Person beim Testen positiv jedoch nicht länger ansteckend. Dies sind die sogenannten asymptomatischen Fälle, von denen es immer mehr gibt“ – betonte Sršen.

(Quelle:Slobodna Dalmacija)