Illustration (Foto: Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Interview mit der Kroatischen Katholischen Mission Hamburg

1. Durch die Corona-Krise ist auch die seelsorgerische Arbeit derzeit erschwert. Welche alternativen Wege der Gemeindearbeit geht die Kroatische Katholische Mission aktuell?

„Wir begannen einfach, uns häufiger mit den Gläubigen zu treffen, soweit es unsere Zeit und unser Ort erlaubten. Insbesondere haben wir anstelle der zwei Messen noch einige eingeführt, damit die Gläubigen mehrere Möglichkeiten haben, sich anzumelden und zur Heiligen Messe zu kommen. Zusätzlich besuchen wir diejenigen, die krank und unbeweglich sind, in ihren Häusern, wo sie leben, sprechen mit ihnen und erteilen ihnen die Sakramente. Natürlich halten wir uns an die Regel: immer mit der Maske und mit dem Abstand.“

2. Werden diese Angebote gut angenommen oder besteht an manchen Stellen noch Verbesserungsbedarf?

„Ich bin froh, dass unsere Gläubigen aus Kroatien und Bosnien und Herzegowina gut und ernst annehmen, was wir ihnen vom Altar sagen oder auf unserer Website aufschreiben. Sie sind sich auch der Situation, in der wir leben, sehr bewusst; dass wir diese Pandemie nur auf diese Weise bekämpfen können, wenn wir die für alle vorgeschriebenen Regeln einhalten und hoffen, so schnell wie möglich aus der Krise herauszukommen.“

3. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Gemeindemitgliedern zur Lage?

„Die häufigsten Fragen sind sicherlich, wann diese Corona-Zeit endlich enden wird, wann wir wieder zusammen sein können, ohne irgendwelche Fragen nach der Zahl oder nach der Nähe stellen zu müssen und wann wir wieder die Heilige Messe zusammen feiern können, ohne uns voneinander zu entfernen und ohne zu zählen, wie viele von uns in die Kirche gekommen sind?“

4. Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zur Mission haben Interessierte derzeit? Besteht in besonders dringenden Fällen auch die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen?

„Sicherlich gibt es die Möglichkeit persönlicher Gespräche mit unseren Gläubigen und diese Möglichkeit besteht, seit wir wieder damit begonnen haben, unsere Eucharistiefeier in den Kirchen zu organisieren. Die Gläubigen konnten zum Gespräch in das Missionsgebäude kommen, insbesondere zum Sakrament der Heiligen Beichte, das unsere Gläubigen als geistige Nahrung für ihr religiöses Leben sehr erhalten.“

5. Die Abschätzung einer möglichen Zeitspanne, in der wir alle noch mit Einschränkungen leben müssen, kann derzeit nur schwer getroffen werden. Was raten Sie den Menschen, die mitunter verzweifelt, traurig und vielleicht auch wütend sind und keine Kraft mehr finden?

„Das Leben hat unser kroatisches Volk zur Ausdauer gelehrt. Deshalb empfehlen wir unseren Gläubigen auch Gebet und Ausdauer und bestätigen dies anhand der Beispiele unserer Gläubigen, die in Krankenhäusern sind oder an dieser schrecklichen Krankheit gestorben sind. Aber so sehr unsere Gläubigen hier arbeiten, gibt es nur sehr wenige, die sich beschweren oder ungeduldig mit allem umgehen. Das Traurigste für uns ist, unsere Restaurantbesitzer zu treffen, die schon lange völlig geschlossen sind. Mit ihnen zu sprechen ist sehr schwierig für uns, aber immer ermutigend, weil ich sehe, dass sie nicht an Kraft verlieren, sondern an bessere und schönere Tage glauben, in denen sie wieder ihren Lebensunterhalt verdienen können und frei arbeiten können wie zuvor.“

6. In dieser Zeit kommt auch manchmal die Frage auf, wie Jesus sich jetzt verhalten würde; ob er sich etwa impfen lassen, Maske tragen oder die Oma nicht besuchen würde. Was meinen Sie? Was würde Jesus tun?

„Jesus war ein Mann aus dem Volk, und wie wir das in den Evangelien lesen, ging er zu Festen und in die Gebetshäuser, wo sich die Menschen seiner Zeit versammelten. Das heißt, er freute sich mit den Fröhlichen, und weinte mit den Weinenden. Heute würde Jesus dasselbe tun, er würde nicht vom Verhalten der Mehrheit abweichen, zumindest nicht darin, dass diese Vorschriften für alle gleichermaßen gelten. Aber um uns allen in den schwierigsten Situationen Hoffnung zu geben und den lauwarmen Glauben zu stärken, würde er es bei jedem Schritt sicher tun.“