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Vor einigen Wochen bin ich auf eine Studie von Tade Jurić aufmerksam geworden, der die neue kroatische Migration nach Deutschland wissenschaftlich untersucht hat. Im Hinblick, dass ich den umgekehrten Weg gewählt habe und ein Jahr schon vergangen nach meiner Rückkehr nach Kroatien ist, ist die Zeit gekommen ein kleines Resümee zu ziehen.

Deutschland 2.0

In der Studie von Tade Juriša wurden 1200 Probanden über ein ganzes Jahr befragt, die aus Kroatien nach Deutschland auswanderten. Gleichzeitig wurde am 03. Februar in Frankfurt am Main eine Podiumsdiskussion zur neueren kroatischen Migration nach Deutschland veranstaltet.

In der Studie äußerten sich 79 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Leben in Deutschland. 88,5 Prozent bereuten nicht nach Deutschland ausgewandert zu sein. 73 Prozent sind mit ihrem Gehalt in Deutschland zufrieden, nur fünf Prozent sind nicht zufrieden. Auch im Hinblick auf die Kosten einer Unterkunft in Deutschland sind die meisten mit 69 Prozent der Befragten zufrieden, nur 7,2 sind unzufrieden.

--- BEZ NASLOVA ---

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Deutschland als neue Heimat?

Auf die Frage einer Rückkehr nach Kroatien können sich 85 Prozent der Befragten eine Rückkehr vor der Rente nach Kroatien nicht vorstellen. Nur 15 Prozent können sich in naher oder mittelfristiger Zukunft eine Rückkehr vorstellen, während 45 Prozent der Befragten sich eine Rückkehr nach Kroatien nach der Erlangung ihrer Rente vorstellen können.

40 Prozent die Befragten möchten in gar keinem Fall  nach Kroatien zurückkehren. Es ist nach Aussagen der Studie interessant zu sehen, dass der Großteil der Auswanderer Deutschland als ihre Heimat anerkennt.

Nur eine Momentaufnahme

Die Studie zeigt meiner Meinung nach nur eine Momentaufnahme. Ich denke, dass die Zahl derjenigen, die zurückkehren möchten steigen wird, desto länger sich die beteiligten Personen in Deutschland aufhalten werden. Dann wird die Wirklichkeit der längeren Sicht auf das Leben in Deutschland mit seinen Vorzügen und Nachteilen sie einholen. Ein Gefühl der Sehnsucht und der Nostalgie wird sich bestimmt bei einigen bemerkbar zeigen, da bin ich mir sicher.

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Von daher würde ich diese Studie nicht zu sehr ernst nehmen, da auch einige Auswanderer wieder nach Kroatien zurückkehren. Ärzte oder medizinisches Fachpersonal, die nach Irland auswanderten sind schon nach Kroatien zurückgekehrt. Das bestätigen mir Erfahrungsberichte aus meinem persönlichen Umkreis, sowie Medienberichte.

Was bringt die Zukunft?

Im Hinblick auf die Studie, dass viele sich zufrieden fühlen nach Deutschland ausgewandert zu sein, kann ich von meiner Seite sagen, dass ich die Entscheidung im Rückblick nach Kroatien zurückzukehren, nicht bereut habe. Klar einigen Sachen nerven mich und die nerven mich heute immer noch, wie zum Beispiel die Unkenntnis vieler Beamten in der öffentlichen Verwaltung, die starre Bürokratie und fehlende Transparenz in vielen Strukturen, sowie unlogische und nicht nachvollziehbare Entscheidungen von Entscheidungsträgern.

Aber im Grunde bin ich zufrieden in Kroatien. Das einzige was mir fehlt aus Deutschland, dass ich in Kroatien erst schätzen gelernt habe, ist das Angebot. In Deutschland ist das Angebot in jeglicher Hinsicht viel größer. Sei es, man möchte die Stadt wechseln, gibt es genügend Auswahl, auch die Auswahl von qualitativ guten Arbeitsplätzen ist viel größer, geschweige denn von Produkten und Dienstleistungen die einfach wegen der Größe des Landes und der Größe des Marktes mit Kroatien nicht zu vergleichen sind.

Nichtsdestotrotz bleibe ich in Kroatien. Wie es in Zukunft für mich in Kroatien aussehen wird, kann ich nicht sagen, aber wer kann das schon heutzutage? 

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk HRT. Er lebt seit einem Jahr in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

 

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position des kroatischen Rundfunks und Fernsehens HRT wider.