Lichter auf einem Grabstein (Foto: Tomislav Miletić / Pixsell) Lichter auf einem Grabstein (Foto: Tomislav Miletić / Pixsell)

Obwohl meine familiären Wurzeln auf die Insel Hvar und nach Bosnien-Herzegowina reichen und ich keine familiären Bindungen in Zagreb besitze, folge ich wie so viele Menschen der Tradition und gehe an Allerheiligen zum zentralen Mirogoj-Friedhof in Zagreb. 

Ein Stück Heimat

Dieser Friedhof ist immer etwas für mich gewesen, da er irgendwie an diesem Tag immer im Mittelpunkt der Geschehnisse in Kroatien ist  und in den kroatischen Medien präsentiert wird. In Deutschland verspürte ich immer den Wunsch einmal an Allerheiligen die Stimmung am Mirogoj Friedhof zu fassen und anwesend zu sein, die vielen Kerzenlichter zu sehen und im Klang der Tages einzutauchen. Aus dem Ausland betrachtend war für mich das Fest Allerheiligen am Mirogoj Friedhof ein Verbindung nach Kroatien, etwas besonders an dem man teilnehmen und anwesend sein möchte. Ein Stück Heimat könnte man sagen.

Grabsteine auf dem Mirogoj Friedhof (Foto: Tomislav Miletić / Pixsell)

Volle Busse und Internationale Dimension

Der öffentliche Nahverkehr war an diesem Tag für die Besucher und Menschen aus Zagreb und Umgebung kostenfrei, so dass viele Menschen sich auf den Weg nach Mirogoj machten, um Blumen und Kränze zu hinterlegen und Kerzen für seine verstorbenen Familienmitglieder und Freunde zu hinterlegen. Sehr viele Leute waren anwesend, den ganzen Tag hindurch.  Aus meinen Beobachtungen heraus bemerkte ich an diesem Tag auch, dass selbst Menschen aus anderen Ländern Europas am Mirogoj-Friedhof sind. Polnische Diplomaten und der Botschafter der polnischen Botschaft in Zagreb Kränze legen Kränze nieder und zündeten Kerzen für die verstorbenen polnischen Staatsbürger. Was mich überraschte, dass auch Denkmäler und symbolische Kreuz für gefallene deutsche Soldaten und deutsche Bürger aus dem zweiten Weltkrieg auf dem Friedhof vorhanden sind. Als wenn dieser Teil Europas heute noch zu Deutschland gehören würde.

Nationales Element

Mit Kameras und Reportern wurde die Stimmung des Tages und die Kerzenlichter live vom kroatischen Rundfunk HRT aufgenommen. Es folgte eine heilige Messe am Mirogoj-Friedhof, welche der Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanić leitete. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Tag in Kroatien einer von nationaler Bedeutung ist, während ich Allerheiligen in Deutschland immer alt etwas unpersönlich wahrgenommen habe, als etwas was nicht unbedingt wichtig ist oder als wichtig erscheint. Vielleicht ist dies auch die Folge des Einflusses der protestantischen Glaubensrichtung in Baden-Württemberg, wo ich aufgewachsen bin, die diesen Tag nicht feiern. In Kroatien habe ich gelernt Allerheiligen und seine Tradition mehr Bedeutung zu schenken.

In einer anderen Ausgabe meines Blog bin ich mehr auf die Unterschiede zwischen den Friedhöfen in Deutschland und Kroatien eingegangen und den Mirogoj-Friedhof selbst beschrieben.

Das ewige Leben (Foto: Sanjin Strukic/PIXSELL)

Kultureller Bestandteil

Allerheiligen am Mirogoj-Friedhof ist etwas besonderes. Ein Element, dass zum Leben in Zagreb gehört, auch wenn keine verstorbenen Angehörigen oder Freunde dort begraben sind. Für mich eine Art ein kultureller Bestandteil von Kroatien. Der 01. November ist für mich demzufolge auch kein Tag der Trauer, sondern ein Tag an dem das ewige Leben gefeiert wird.

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position des kroatischen Rundfunks und Fernsehens HRT wider.

 

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Radiomoderator für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk und Fernsehen HRT. Er lebt seit mehr als einem Jahr in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.