Kroatische Fans bei dem Spiel gegen Argentinien (Foto: Davor Javorović/PIXSELL) Kroatische Fans bei dem Spiel gegen Argentinien (Foto: Davor Javorović/PIXSELL)

Internationaler Flair

Mit der Fußballweltmeisterschaft beginnt eine Zeit im Jahr, die unter anderem geprägt ist von Bier trinken und vom Anfeuern seiner Nationalmannschaft in guter Stimmung. Fast jeden Tag, einen Monat lang werden live Spiele übertragen und man verabredet sich, um ein Spiel anzuschauen. Das schöne dabei für mich in diesem Jahr ist, dass ich zum erste Mal ein Fußballgroßereignis in Kroatien betrachten kann und nicht wie immer sonst in Stuttgart. Dabei fällt mir auf, dass ich mich hier in Zagreb internationaler fühle, als in Deutschland. Ich aus Deutschland sitze mit Polen, Argentiniern oder Spaniern in Zagreb zu Tisch und betrachte Kroatien beim Spiel gegen Nigeria in Russland. Das war in Deutschland weniger üblich. Da ging ich nur mit kroatischen Landsleuten in eine kroatische Kneipe und gab mich der Fußballatmosphäre hin.

Rot-weiß karierte Stimmung

Fußball verbindet und schweißt zusammen und für einen Monat lang wird in Kroatien oder in Deutschland oder mehr oder weniger in der ganzen Welt der Atem angehalten. So ziehe auch ich in Deutschland als auch in Kroatien sehr schnell meinen Hut und Schal an, hänge Pfeifen und Armbänder an meinen Körper, alles in rot-weiß, kariert versteht sich und mache mich mit meinem angezogenen Trikot von dem ehemaligen Spieler Mladen Petrić (gleicher Nachnahme wie ich) auf den Weg in die Innenstadt von Zagreb.  

 

Gleichzeitig vermisse ich die Partys in Stuttgart nach einer gewonnenen Fußballpartie. Da wird in der Innenstadt von Stuttgart auf der Theodor-Heuss-Straße vor dem Café Topas gefeiert, wie verrückt. Bengal-Fackeln wurden angezündet, Knaller wurden geschmissen, Autos mit rot-weiß karierten Fahnen fahren vorbei, die ganze Schnellstraße voller rot-weiß karierter Menschen - kriegsähnliche Zustände könnte man sagen!

Es kann auch mal eskalieren

Ich kann mich ganz genau erinnern, als wir im Viertelfinale bei der EM 2008 in Österreich/Schweiz gegen die Türkei unglücklich in der letzten Minute der Verlängerung das 1:1 erhielten und dann im Elfmeterschießen verloren. Da begannen die kroatischen Fans mit Flaschen und Gläser auf die andere Straßenseite der Theodor-Heuss-Straße zu werfen, wo die türkischen Fans das Spiel anschauten. Die Antwort der türkischen Fans ließ nicht lange auf sich warten, sodass Glasflaschen hin und her flogen bis die Polizei mit Hunden, Kamerateams, Einsatzwagen und Pferden! einmarschiert kam, um in der Gemengelage auf der Schnellstraße für Ordnung zu sorgen. Einige Verletzte, viele Verhaftete auf beiden Seiten, sowie in Ecken eingegrenzte kroatische Fans durch Polizisten, teilweise niedergeschlagen. Man muss ehrlich dazu sagen, es war nicht lustig anzuziehen, wie so etwas eskalieren kann. Aber eine Erfahrung wert, wie ein Fußballspiel enden kann.

Diese Momente vermisse ich hier in Zagreb, obwohl es auch hier eine schöne und gute Stimmung auf dem Ban-Jelačić Platz geben kann. Etwas ruhiger, aber dafür ohne Schäden und Körperverletzungen. Wie auch immer meine Erfahrung gewesen seien, wünschen wir mal der kroatischen Nationalelf den größtmöglichen Erfolg bei dieser WM in Russland. Die Qualität haben sie allemal, nach 1998 sollte mal ein dritter Platz wenigstens wieder drin sein. Auf geht´s Vatreni!

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Rundfunksprecher für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk HRT. Er lebt seit einem Jahr in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position des kroatischen Rundfunks und Fernsehens HRT wider.