Die Stimme Kroatiens

13:22 / 17.11.2017.

Autor: GH

Alle Jahre wieder

Der Wasserturm von Vukovar - Symbol der Stadt und des kroatischen Unabhängigkeitskrieges (Foto: GH)

Der Wasserturm von Vukovar - Symbol der Stadt und des kroatischen Unabhängigkeitskrieges (Foto: GH)

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Von dem 17. - 19. November werden in Kroatien alle Jahre wieder den Opfern von Vukovar gedacht. Wo ist Vukovar über das ganze Jahr hinweg?

Wie alle Jahre wieder wird von 17. -19. November den Opfern von Vukovar gedacht und all die Geschehnisse des kroatischen Unabhängigkeitskrieges rund um Vukovar werden für einige Tage zum Hauptthema der Politik und der aktuellen Berichterstattung in den kroatischen Medien.

Um nicht vergessen zu werden

Klar, wenn über die Geschehnisse aus der Vergangenheit heutzutage nichts berichtet würde und wenn man keine Gedenkveranstaltungen zelebriert, keine Kolonne der Erinnerungen in Vukovar vollzieht oder im ganzen Land Kerzen anzündet, würden diese schrecklichen Ereignisse und Opfer aus Vukovar langsam aber sicher in Vergessenheit geraten. Das würde den Charakter der Ereignisse in Vukovar womöglich verändern und mit der Zeit verfälschen. Dies wäre den Opfern aus Vukovar nicht gerecht, die aufgrund der Aggression der Serben und der jugoslawischen Volksarmee in tragischer Art und Weise ermordet worden sind.

Die Kolone der Erinnerung in Vukovar (Foto: Dubravka PatricPIXSELL)

Die Kolone der Erinnerung in Vukovar (Foto: Dubravka PatricPIXSELL)

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Es kann jede Familie treffen

Dass unter den Verteidigern der Stadt Vukovar gegen die serbische Aggression der jugoslawischen Volksarmee, wenn auch vielleicht in geringer Zahl, Personen serbischer Volkszugehörigkeit vertreten waren, zeigte die kroatische Politikshow von Alexander Stankovic „Nedjeljom u 2“ (zu Deutsch: Sonntags um 2) letzten Sonntag im kroatischen Fernsehsender HRT1, bei der deutlich wird, dass die schrecklichen Tragödien jede einzelne Familie hätten treffen können. Ein Individuum serbischer Volkszugehörigkeit entscheidet sich auf der Seite der kroatischen Verteidiger der Stadt Vukovar zu kämpfen, während sein eigener Bruder sich entscheidet auf der Seite des serbischen Aggressors die Stadt Vukovar zu okkupieren. Schrecklich – Bruder gegen Bruder im Kampf gegeneinander für den Fall bzw. die Verteidigung der Stadt Vukovar – nur eine Dimension des Krieges in Kroatien.

Wo ist Vukovar über das ganze Jahr hinweg?

Doch was für mich wirklich verwunderlich ist und was mich im Grunde auch nervt, ist die Tatsache, dass über das ganze Jahr gesehen man kaum oder gar nicht in der Berichterstattung und in den Medien über die Stadt Vukovar hört, als würde die Stadt nicht existieren. Bis zu dem Tag des Gedenkens an die Opfer von Vukovar, als dann das Thema wieder aktuell erscheint und in den Tagen von 17. -19. November man in den Medien und von Politikern regelrecht medial auf allen Kanälen bombardiert wird. Es wird nur über Vukovar geredet, wenn die Zeit des Gedenkens gekommen ist. Über das ganze Jahr hindurch, hört man wenig über die Stadt – (höchstens über das Film Festival). Tatsächlich könnte man sagen, dass Vukovar nur für einige Tage lebt.

Das Massengrab-Denkmahl in Vukovar (Foto:Marko MrkonjicPIXSELL)

Das Massengrab-Denkmahl in Vukovar (Foto:Marko MrkonjicPIXSELL)

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Ich frage mich: Wo bleibt Vukovar über das ganze Jahr hinweg? Haben die Opfer von Vukovar und die Stadt selbst nicht die Notwendigkeit, dass man über das ganze Jahr hinweg auf die Stadt schaut und sie in allen Belangen einen besonderen Stellenwert besitzen sollte?

Wirtschaftliche Perspektive

So lange es keine wirtschaftliche Wiederbelegung gibt, wird es für Vukovar keine Zukunft geben. Die jungen Menschen ziehen woanders hin, im Glauben auf eine bessere Zukunft.  Im Hinblick auf das Verhalten der Politik in den letzten zwanzig Jahren ist in Vukovar kaum etwas geschehen, um die Wirtschaft in Vukovar zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und Investitionen zu tätigen.Im Hinblick, dass die Politik in jüngster Zeit die Stadt Vukovar von besonderer Pietät würdigt und ihr in der kroatischen Gesellschaft eine feste Größe proklamiert, ist das Ergebnis der kroatischen Politik der letzten 20 Jahren im Grunde eigentlich nur beschämend. Wo war die kroatische Politik in den letzten 20 Jahren frage ich mich?

Ovčara in Vukovar (Foto:Marko MrkonjicPIXSELL)

Ovčara in Vukovar (Foto:Marko MrkonjicPIXSELL)

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Auch jetzt wo in mehreren Jahren die Wirtschaftsleistung in Kroatien um mehrere Prozentpunkte wächst, erkennt man kaum eine feste Kontante für Investitionen in Vukovar. Die einzige feste Konstante ist, dass auch im nächsten Jahr an die Opfer von Vukovar gedacht wird. 

 

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position des kroatischen Rundfunks und Fernsehens HRT wider.

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