Illustration (Foto: Ban Jelačić - Denkmal auf dem Hauptplatz von Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Ban Jelačić - Denkmal auf dem Hauptplatz von Dana Jungbluth)

Laut einer Legende hat die kroatische Hauptstadt ihren Namen durch einen Banus erhalten, der während einer schlimmen Dürre auf der Suche nach Wasser sein Schwert in den Boden stieß, woraufhin sofort klares Wasser herausfloss. Der Ban rief "Zagrabite!" ("Schnappt!" bzw. "Schöpft!") und zu einem Mädchen "Mando, dušo, zagrabi!" ("Manda, Kleines, schöpfe!"). So sollen Zagreb und die Quelle Manduševac, die bis heute auf dem Hauptplatz existiert, ihren Namen bekommen haben.

Quelle Manduševac (Foto: Dana Jungbluth)

Illustration (Foto: Quelle Manduševac von Dana Jungbluth)

Ob sich diese schöne Geschichte nun tatsächlich so zugetragen hat oder nicht, "schöpfen" ist definitiv das Wort, das am besten zu der kroatischen Metropole passt. Begegnen Sie der Stadt mit der gebührenden Aufmerksamkeit, Achtung und Neugierde, so können Sie allerlei aus ihr schöpfen. So zumindest erging es mir in der letzten Woche.

Schöpfen Sie Kraft! Wie auch bei anderen Hauptstädten, erleben Sie nach Zagreb mitunter typische "Business-Flüge", vorwiegend mit Alleinreisenden, Geschäftsleuten, eher wenigen Urlaubern und fast ausschließlich Einheimischen. In dem Fall also ein Flieger voller Kroaten. Sehr von Vorteil, wie sich beim Rückflug noch herausstellen sollte. In der Hauptstadt angekommen, empfängt Sie sehr wohl ein typisches Großstadttreiben. Und dennoch fühlt es sich anders an. Ehrlich, stark, besser. Die Zagreber erscheinen direkt, ohne unfreundlich zu sein, gebildet, ohne arrogant zu sein, beschäftigt, ohne vernachlässigend zu sein, enttäuscht, ohne deprimiert zu sein, gefordert, ohne des Lebens verdrossen zu sein. Ich habe selten, nein eigentlich noch nie, derart positive und weltoffene Menschen erlebt wie in Zagreb! Diese magische Energie lässt hektisches Großstadtgetummel slow-motion-artig an Ihnen vorüberziehen, die Zeit anhalten, abschalten und Momente des Lebens sammeln und in vollen Zügen genießen! Auch dann, wenn Ihr Tag vollgepackt sein mag mit Terminen. Betörend.

Schöpfen Sie Mut! Aus der Fremde der Stadt, die Ihnen vielleicht näher ist, als Sie denken. Aus der Weltoffenheit der Menschen, die Ihnen ein gutes Beispiel dafür sind, dass Sie viel mehr wagen können im Leben. Aus der geborgenen Großstadt, die Ihnen - zumindest empfunden - mehr Sicherheit bietet als jede andere.

Schöpfen Sie Hoffnung! Lauschen Sie den Menschen der Stadt und ihren Geschichten und Gedanken zum Weltgeschehen aufmerksam. Die Zagreber haben ihre ganz eigene Art, positiv in die Zukunft zu blicken. Ein Hoffnungsschimmer in diesen Zeiten.

Schöpfen Sie Zuversicht! Blicken Sie gestärkt nach vorne und halten Sie sich bei Zweifeln Zagreb vor Augen. Die Hauptstadt eines unterschätzten kleinen Landes, das allemal viel drauf und zu bieten hat und dies auch zeigt. Machen Sie sich also nicht kleiner als Sie sind.

Schöpfen Sie Glauben! Im religiösen Sinne bietet sich Ihnen dazu an nahezu jeder Ecke der Stadt Gelegenheit. Im ganz persönlichen Sinne jedoch auch. Die Zagreber, die Ihnen respektvoll, freundlich, interessiert und wertschätzend gegenübertreten, verhelfen Ihnen mit einer ungewohnten Leichtigkeit, den Glauben an sich selbst zu verinnerlichen, zu wahren oder vielleicht sogar, erst zu entdecken. Dies wiederum schenkt Ihnen außerdem die Fähigkeit, (wieder) an das Gute in den Menschen zu glauben, Gemeinschaft zu erleben, die Sie sonst womöglich schmerzlichst vermissen. Die Zagreber zeigen Ihnen, wie es geht. Schöpfen Sie davon.

Kirche des hl. Markus (Foto: Dana Jungbluth)

Illustration (Foto: Kirche des hl. Markus von Dana Jungbluth)

Schöpfen Sie Freu(n)de! "Ich kann Ihnen eine Geschichte über Kroatien erzählen.", sagte ein sehr netter älterer Herr in Zagreb zu mir. In sehr gutem Englisch fuhr er fort "Ich bin Schiffsarchitekt und habe 200 Euro im Monat verdient. Deswegen muss ich nun mit 74 Jahren Taxi fahren." Er schien dennoch lebensfroh und beteuerte, dass er nirgendwo auf der Welt lieber wäre als in Kroatien. "Wir wissen hier noch, worauf es ankommt und wie man das Leben genießt.", kam es überzeugend glücklich aus ihm heraus. Wir tauschten unsere Nummern aus und ich freue mich schon sehr auf unseren vereinbarten Kaffee und Spaziergang bei meinem nächsten Besuch in Zagreb! Was Lebensfreude und eine gesunde innere Einstellung angeht, so zeigte sich dies bei den Kroaten auf meiner Rückreise einmal mehr denn je. Leider gab es an diesem Tag ein riesen Chaos am Flughafen, welches sich über den ganzen Tag bis hin zu einer letztlichen Flugannullierung am Abend zog, die wiederum zu einer Extra-Nacht in Zagreb führte. Welch Graus, nicht wahr!? Hätten mich Zuhause meine Kinder nicht sehnlichst erwartet, hätten mir persönlich einige weitere Tage Kroatienaufenthalt natürlich nichts ausgemacht. Jedoch muss ich sagen, hatte ich die tollsten Menschen an meiner Seite, die man sich in solch einer Situation nur wünschen kann! Kroaten eben. Während sich einzelne Deutsche natürlich gleich sehr verärgert über den Flugausfall zeigten, nutzten die Kroaten derweil die Gelegenheit, es sich auf den Koffern gemütlich zu machen, miteinander ins Gespräch zu kommen, darüber zu scherzen und den Abend später im Hotel fröhlich ausklingen zu lassen. Es war mir eine Ehre, in dieser wirklich herzlichen Runde dabei gewesen sein zu dürfen und eine ebensolche, in den Menschen, die mir in Zagreb ihre Zeit geschenkt haben, eine besondere, einzigartige und wertvolle Verbindung gefunden zu haben! Ich habe meine Zagrebački Freunde sehr ins Herz geschlossen und verspreche: Ihr seht mich öfter!

Seien wir aufrichtig, respektvoll und dankbar für die Stadt, aus der wir so viel schöpfen können!

Illustration (Foto: Aluminium-Skulptur des kroat. Schriftstellers A.G. Matoš von Dana Jungbluth)