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"Wegen denen müssen wir es mit ausbaden und es dauert immer länger.", "Mir geht's nicht gut!", "Es nervt!", "Ich habe keine Lust mehr!", "Das macht jetzt aber wirklich keinen Sinn mehr.", "Ich bin für alle Maßnahmen, aber...", "Wir wissen nicht, wie wir den nächsten Monat überleben sollen.", "Langsam weiß ich nicht mehr, was ich Zuhause noch machen soll.", "Das ist kein Leben mehr!", "Ich vermisse...!", "Lieber sterbe ich an Corona, als mich weiterhin diesem Psychoterror auszusetzen!", "Wenn man wenigstens wüsste, wie lange das noch geht.", sind alles Sätze, die ich so und ähnlich vermehrt vernommen habe in der letzten Zeit. Die Ungeduld über den andauernden ungewissen Zustand wächst merklich, habe ich den Eindruck. Und zwar unabhängig von der jeweiligen Einstellung zur Lage.

Ein jeder scheint müde. Ausgepowert. Verzweifelt. "Ja, muss." ist die häufigste Antwort auf die Frage nach dem aktuellen Befinden. Tränen kullern, Alkohol fließt, der Geduldsfaden reißt. Sehnsüchte, die nicht gestillt werden (können). Eine explosive Mischung extremer Emotionen. Zeit, sie rauszulassen!

Vor genau einem Jahr habe ich mich am heiligen Rosenmontag nach Zagreb aufgemacht. Ja, Karneval ist für jemanden aus dem Kölner Raum eine Zeit, wo man normalerweise alles stehen und liegen lässt, um sich völlig ausgelassen dem bunten und munteren Treiben hinzugeben. Arbeit? Verreisen? An Karneval? Das machen nur diejenigen, die Fasching sagen, Helau rufen oder eben Karnevalsmuffel mit entsprechenden Antigenen sind.

Oder eben Kroatienverrückte wie Sie und ich...

Was gäben doch einige darum, jetzt in Ihrer Heimat, bei der Familie, bei Freunden in Kroatien sein zu können!? Aber mal eben in den Flieger oder ins Auto steigen ist aktuell nicht mehr so einfach wie noch vor einem Jahr. Es ist mit Hürden und Unsicherheiten verbunden. Stattdessen etwas Ablenkung mit Freunden, im Theater, in Freizeiteinrichtungen, beim Teamsport oder auf Veranstaltungen suchen? Ist auch nicht. Das ständige Kochen, Häkeln und Spazierengehen nervt auch nur noch und überhaupt ist man etwas lustlos geworden. Vielleicht hat man aber gerade auch überhaupt keinen Kopf für all` diese lebensfrohen Dinge in dieser tristen und ernsten Zeit. Im Moment jedenfalls wäre uns allen wahrscheinlich alles lieber als "das".

Nun steht Karneval vor der Tür. Klar, ohne Veranstaltungen. Einen Grund zum Feiern sehen wir derzeit auch eher weniger. Braucht es aber einen Grund? Ist das Leben nicht Grund genug? Wer hält uns davon ab, das Leben zu feiern und einfach mal verrückt zu sein? Warum sich nicht zuhause schön kostümieren, die Wohnung schmücken, ein paar Leckereien bereitstellen und die Musik laut aufdrehen? Lassen Sie es raus! Alle Emotionen, die da gerade in Ihnen zappeln und einfach raus wollen. Und müssen. Tanzen Sie! Endlich so, wie Sie es möchten. Guckt doch niemand zu. Und wenn Sie den Ententanz tanzen. Tanzen Sie! Und singen Sie dazu! Ich empfehle "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" mit dem Austausch aller Vokale durch jeweils einen einzigen. Hierbei ist ein herzlicher Lachkrampf garantiert. Spüren Sie, dass Sie leben und es sich lohnt, auf bessere Zeiten zu hoffen und zu warten. Verrückte Frohnaturen braucht es dann - und auch jetzt - reichlich. Nicht nur zur fünften Jahreszeit. Das Training für die Session findet das ganze Jahr über statt. Und es ist anstrengend. Aber nur durch Anstrengung und Durchhaltevermögen ist ein grandioser und unvergesslicher Auftritt zur rechten Zeit garantiert. Und er wird kommen! Die harte Trainingszeit wird sich auszahlen und wir alle werden uns fühlen wie ein Karnevalsprinz, der vom Wagen in die Menge blickt und feststellt: Jeder Jeck is' anders! Aber gerade darum wird jeder einzelne gebraucht, bereichert er doch unsere bunte Gesellschaft! Überall und jederzeit!

Derjenige, der alle Maßnahmen befürwortet und dazu aufruft, diese einzuhalten, ist ebenso wichtig wie derjenige, der an die Kollateralschäden erinnert, die daraus resultieren. Der gesunde Mix macht es, dass nichts und niemand vergessen wird! Und damit wir das nicht vergessen, darf Abschalten und Freude genauso wie ein offener Diskurs nicht vernachlässigt werden. Und auch unsere Freude können wir in diesen Zeiten miteinander teilen, um uns gegenseitig aufzumuntern und dem anderen zu zeigen "Du bist nicht allein!". Feiern wir zur Abwechslung zur hitzigen Debatte doch einfach mal wieder GEMEINSAM allein das Leben...

In diesem Sinne: (Es heißt) ALAAF UND (nicht) HELAU! 

 

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Ich habe das Thema Traurigkeit und Depression aufgegriffen, da es aktuell von besonderem Interesse zu sein scheint. Mit meinem Beitrag möchte ich eindringlich darauf hinweisen, dass es in jeder dunklen Stunde einen Ausweg gibt und jeder von Ihnen wichtig für unsere Gesellschaft ist und gebraucht wird! Bitte wenden Sie sich bei Bedarf unbedingt an eine der kostenlosen Telefonseelsorgen

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