Illustration (Foto: Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht schriebe, was ich denke. Es macht mich fertig. Diese Zeit fernab des (kroatischen) Lebensgefühls. Diese Stimmung, unser "Miteinander", all die vermummten Menschen, die bloß noch deine Viren sehen. Jeder für sich, gegen den anderen. Man kann depressiv mitlaufen und sich aus lauter erzwungener Solidarität komplett kaputt machen oder man hört eben - "ganz egoistisch" - auf sein Herz und seinen Verstand. Warum ist das eigentlich mutig, wie Kant sagte? Mutiger erscheint es mir, im Kampf und aus Angst vor dem unsichtbaren Feind, sein komplettes Leben zu pausieren, wenn nicht gar aufzugeben. Das ist mutig, da der Feind nicht zu eliminieren ist, unser Kampf also unendlich scheint. Da geht die Puste zwangsläufig irgendwann aus. Beim einen früher, beim anderen später. Aber sie geht aus.

Ich wünschte mir mehr Zuversicht in diesen für uns alle wirklich schwierigen Zeiten. Dass wir einander stärkten, anstatt unsere individuelle Kampfstrategie gegenseitig anzuprangern, uns somit kleinzumachen. Vielleicht habe auch nur ich den Eindruck oder befinde mich derzeit tatsächlich in einem Tal der Traurigen, jedoch, völlig gleich, mit wem ich mich aktuell unterhalte oder auch nur die Menschen auf der Straße beobachte, ich stelle fest, dass es niemandem gut geht. Da sind Depressionen, Verzweiflung und Wut sowie die fürchterliche Angst vor dem Virus, ebenso wie diese vor totalitären Auswüchsen auf einst demokratischem Boden. Einst deswegen, da jegliche sachliche Vorschläge auch anderer Kampfstrategien im Keim erstickt werden, Menschen denunziert und Meldungen Abtrünniger erwünscht werden. Also verschärfen sich eben die Fronten, ein jeder kämpft für sich, für seine Überzeugung. Es geht um die Gesundheit. Bei allen wohlbemerkt.

Es scheint, als vergessen wir, dass wir uns in einem gemeinsamen Krieg befinden. Auf der ständigen Hut vor dem Unsichtbaren und zeitgleich einhergehender Ignoranz gegenüber dem Sichtbaren. Dem verwundeten Kamaraden muss aufgeholfen werden, egal, ob er vom Feind oder gar von Waffen aus den eigenen Reihen getroffen wurde. Dazu muss er auch mal in den Arm genommen, getröstet und liebevoll angelächelt werden. Taten der Liebe. Aus Nächstenliebe.

Wer den Krieg überleben wird, kann niemand voraussagen. Der Feind wird zuschlagen, mal gut getarnt, mal offensichtlich. Die Frage ist, wie gehen wir da durch? Aktiv, aufrecht, stark und zuversichtlich oder sollen es letzte Stunden voll Hass und Angst sein? Bei dieser Frage können etwaige Überlebenschancen wenigstens eingeschätzt werden, ebenso wie zugehörige Risiken. Das Leben aber ist soviel mehr als eine Berechnung. Es ist unbestimmte Zeit. Zeit für Emotionen, für Schöpfen, für Miteinander, für Leben. Im Gegensatz zum Krieg überleben wir das Leben nicht. Wir sollten es also damit füllen, womit wir gekommen sind. Mit Glück und Liebe. Und es möglichst ebenso verlassen.

Natürlich vermag ein jeder sich selbst ein gewisses Maß an Lebensfreude zu erhalten, auf Dauer der sozialen Distanz und anderen Einschränkungen des Lebens könnten die Ideen jedoch ausgehen und Angst und Traurigkeit überwiegen. Wo schöpfen wir also die Energie für den Kampf? Wie halten wir uns fit für diesen Marathon und wie lange reicht unsere Ausdauer? Wie kann ich meine Mitmenschen schützen, ohne mich selbst dabei zu gefährden? Diese Antwort liegt nicht in Gesetzen, sondern einzig und allein in Ihrem Herzen!

Liebe Kroaten! Bewahren Sie Ihrer Community im Ausland das kroatische Lebensgefühl. Als Zuversicht für das Ziel:

Liebe.