Illustration (Foto: Privatarchiv von Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Privatarchiv von Dana Jungbluth)

"Hier Mama, der ist für Dich, den schenke ich Dir. Der soll auf Dich aufpassen!" - so die Worte meines großen Sohnes, als er mir das Batman-Bild verlegen lächelnd überreichte. Ich muss dazu anmerken, dass er uns zwar gerne und oft wunderschöne Bilder schenkt, die Superhelden jedoch bislang alleine ihm vorbehalten waren. Niemals hätte er eines davon hergegeben. Die Schulschließungen waren gerade in Kraft getreten, das Thema Corona nun also spürbar auch für die Kinder begreiflich geworden. Natürlich haben wir mit unserem Sohn über das Virus und die Gründe der Maßnahmen gesprochen und ihm alle Fragen dazu ehrlich beantwortet. Dass es wirklich ernst ist, verdeutlichten zudem dann auch noch die Verbote aller Hobbies sowie jegliches Kontaktverbot außerhalb der engsten Familie. Zack, da bricht sie urplötzlich zusammen, die unbeschwerte Kindheit. So dürfte es sich wohl für alle Eltern und erst recht alle Kinder gerade anfühlen. Der gewohnte Alltag, das ungehemmte Spielen und Lachen mit den Freunden, der Ausflug mit Oma und Opa. Der ganze Boden der wichtigsten, der prägendsten und vor allem sichersten Zeit im Leben wird einem unter den Füßen weggerissen. Auf unbestimmte Zeit. Natürlich sehnt ein Kind sich daher mehr denn je nach der elterlichen Geborgenheit, dem sicheren Nest. Das Schlimmste, verlöre man dieses auch noch. Die Verlustangst, so vermute ich, sitzt bei den Kindern gerade sehr tief. Ich erinnere nochmal: ich habe einen Superhelden geschenkt bekommen! Und damit meine ich nicht bloß das Bild meines Sohnes als vielmehr ihn selbst. Unsere Kinder sind dieser Tage die größten aller Helden! Aber auch sie brauchen nun einen Superhelden. Mehr denn je! Und wer könnte dazu besser geeignet sein als die Eltern? So schwierig die Rolle des Superhelden auch sein mag, halten Sie sich stets vor Augen, wie tapfer unsere Kinder den Kampf gegen das Unbekannte beschreiten.

Vermutlich sehnen aber auch Sie sich derzeit nach einem Superhelden. Wir alle brauchen gerade einen und jeder von uns kann selbst einer sein, ob durch Verzicht, Hilfe, Verständnis, Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme oder einfach (Nächsten)Liebe. Wir sollten die unterschiedlichen Emotionen und Reaktionen auf diese weltweite Krise ernstnehmen und respektieren, ganz gleich, welche Sorgen den einzelnen nun primär umtreiben. Ein Richtig oder Falsch kann es hierbei nicht geben, hegt doch jeder seine eigenen Gefühle. Und diese sind ehrlich.

Ja, man spürt aktuell, dass jeder Mensch wie gelähmt ist ob der Unsicherheit und vermeintlichen Hilflosigkeit, tiefer Traurigkeit oder auch Unverständnis für die allerorts ergriffenen Maßnahmen. Ganz gleich, was Sie gerade seelisch am meisten belastet, Vertrauen dürfte zur Bewältigung der noch anstehenden Zeit der Schlüssel sein; sowohl in andere als aber auch in sich selbst. Dies zu verlieren bedeutet, sich selbst zu verlieren. Ich möchte hierzu gerne den Kölner Weihbischof Ansgar Puff aus seinem Nachtgebet vom 1. April dieses Jahres zitieren, der meiner Meinung nach in allen Situationen immer die richtigen Worte findet. "Besiege du den Tod in mir. Schenke mir eine Auferstehung. ... Im Nachtgebet bet' ich darum, dass wir entdecken: Was ist der Tod, den Christus Ostern in mir besiegen soll?" Auch, wenn der Glaube an Gott für Sie vielleicht keine Rolle in Ihrem Leben spielen sollte, so halte ich diesen Impuls des Weihbischofs für jeden von uns für hilfreich. So kann jeder in sich hineinhorchen, wie er selbst in dieser Zeit Superheld sein kann oder herausfinden, wer sein persönlicher Superheld ist. Ob das nun Mediziner, Politiker, der Nachbar, die Familie, Freunde, ein Haustier, die Natur oder Gott ist, niemand ist allein!

Ich wünsche jedem einzelnen von Ihnen einen Superhelden und die Stärke, selbst einer zu sein! Geben Sie nicht auf, alle Kräfte sind jetzt gefragt, damit wir schon bald unsere Liebsten wieder in die Arme schließen und unser geliebtes Kroatien, unsere Heimat, wiedersehen dürfen!

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich! Und vielleicht schließen Sie gerade in diesen Tagen unsere Schwächsten der Gesellschaft - überall auf der Welt - in Ihre Gebete bzw. guten Wünsche ein. Gerade die Nächstenliebe und Fürsorge ist doch das, was die kroatische Community ausmacht. Wahre Superhelden eben!

Illustration (Foto: Privatarchiv von Dana Jungbluth)