Illustration (Foto: Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle über Superhelden. Darüber, dass ich jedem von Ihnen einen Superhelden in dieser schwierigen Zeit wünsche, aber auch, dass Sie selbst einer sein mögen. Mit all der Kraft, die es dazu braucht.

Wie geht es Ihnen ein Jahr später? Zur Osterzeit? In Deutschland ist es nun das zweite Osterfest, das wir nicht wie gewohnt mit unserer Familie feiern können. Es ist das zweite Mal, dass viele Kinder ihren Geburtstag nicht mit ihren Freunden feiern können. Es ist der sechste Monat, den wir nun im Lockdown verbringen, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Es ist ein Jahr unserer Lebenszeit vergangen, das wir nicht mit unseren Liebsten verbringen konnten. Ein Jahr, in dem wir nicht unseren Hobbies nachgehen konnten oder kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen besuchen konnten. Eine lange Zeit, in der viele Menschen nicht einmal ihren kranken oder sterbenden Angehörigen würdevoll beistehen konnten. Ein langes Jahr. In dem wir nicht leben konnten.

Zu pessimistisch? Zu übertrieben? Ich denke nicht. Natürlich haben wir uns alle Alternativen zu unserer bisherigen Lebensweise überlegt, wobei wir sehr kreativ waren. Ob online, gestaltend, entdeckend, ruhend, wir haben Wege gefunden, durch dieses Jahr zu kommen. Wir haben einander entsprechend der Möglichkeiten aufgeheitert, zugehört und uns über die Lage aus jeder erdenklichen Sicht ausgetauscht. Ob damit nun alles gesagt und getan ist? Sicher nicht. Es wird weitere Gespräche brauchen, weitere Alternativen und noch mehr Kraft, um dieser Krise ein Ende zu setzen. Vor allem aber wird es neue Wege brauchen, wenn wir uns nicht weiter im Kreis drehen und wieder leben wollen.

Unter dem Thema "Kroatien - ein Lebensgefühl" erwarten Sie verständlicherweise etwas anderes als einen Text wie diesen. Zu Ostern hatte ich für Sie eine nette fiktive Geschichte über den Osterhasen Ivan im Sinn, der Ihnen einen Einblick in seine Arbeit in Deutschland und Kroatien geben sollte. Leider hätte auch er Ihnen unter den aktuellen Umständen nichts anderes berichten können als dass es den Menschen sichtlich schlecht geht. Auch er könnte es ebenso wenig wie ich einfach ignorieren. Zudem würde der kroatische Osterhase Ivan ob der Zustände ein anderes Vokabular verwenden, sodass ich an der Stelle doch lieber für ihn übernehme. Ivan und ich sind uns jedoch einig, dass wir auch weiterhin solidarisch sind. Mit den Schwächsten der Gesellschaft, die derzeit weit weg von einem kroatischen Lebensgefühl sind. Die Bemühungen auf kroatischer Seite, den Zugang zu diesem zu erleichtern, werden deutscherseits für viele Menschen gerade ad absurdum geführt.

Die Stimmung in Deutschland kippt gerade sichtlich. Völlig unabhängig der jeweiligen Einschätzung zur Gefährlichkeit des Virus macht sich Unmut über den Umgang mit diesem breit. Das gut gemeinte "bleibt gesund" wurde inzwischen durch ein "haltet durch" ersetzt.

Auch ich möchte an Sie appellieren, durchzuhalten und zitiere dazu erneut die Worte des Kölner Weihbischofs Ansgar Puff aus dem vergangenen Jahr, die meiner Meinung nach wichtiger sind denn je:

"Besiege du den Tod in mir. Schenke mir eine Auferstehung. ... Im Nachtgebet bet' ich darum, dass wir entdecken: Was ist der Tod, den Christus Ostern in mir besiegen soll?"

Der kroatische Osterhase Ivan würde sagen: "Viel Glück bei der Eiersuche!".