Die Stimme Kroatiens

10:45 / 02.01.2022.

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Meine kroatischen Vorsätze

2022

2022

Foto: kolaž / BestHQwallpapers.com

Da mir die kroatische Lebensart bekanntermaßen recht gut gefällt und ich hier und dort kleine bis erhebliche Ähnlichkeiten zwischen Kroaten und mir feststelle, habe ich mir für das neue Jahr einige Vorsätze gefasst. Auf ganz kroatische Art, versteht sich.

1. Ich mach', was ich will!


Den Kroaten Vorschriften machen zu wollen, ist in etwa genauso sinnvoll wie einem weiß gekleideten Baby die Spinatschale zum selbstständigen Verzehr vorzusetzen. Es wird daneben gehen und Ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Ohren fliegen. Dieses aufmüpfige und trotzige Verhalten hat was in meinen Augen. Es ist schelmisch, irgendwie putzig, amüsant ohnehin und irgendwie auch bewundernswert.

Ich gebe zu, der deutsche Teil in mir reagiert magnetisch auf Regeln. Sträube ich mich innerlich dagegen, erfolgt mein rebellischer Widerstand in geordneter deutscher Manier. Eben regelkonform. Und dennoch bin ich ein Mensch, der macht, was er will. Selbst wenn mein komplettes Umfeld mich belächeln oder nicht verstehen mag. Es ist schließlich mein Leben.

2. Ich pfeif' drauf, was andere von mir denken!


Den Kroaten ist wenig peinlich, glaube ich. Sie gehen in jeder Lebenslage aus sich heraus. Schüchternheit scheint dort eher ein Fremdwort zu sein. Natürlich auch möglich, dass es eine aufgesetzte, coole Fassade ist, gerade weil sie sich um ihre Außenwirkung scheren. Vielleicht ist es auch beides.

Jedoch einmal damit begonnen, aus sich herauszugehen, erlangt man eine ungeahnte Freiheit. Dann, wenn man auf sein Bauchgefühl hört und nicht darauf, was andere eventuell davon halten könnten. Probieren Sie das mal aus...


3. Ich bin laut, wenn ich es für nötig halte!


Ok, die Kroaten sind eigentlich immer laut, das stimmt wohl. Gleiches wirft man mir ab und an auch vor. Nun höre ich allerdings auch etwas schlechter, werde aber zeitgleich auch gerne gehört, wenn es darauf ankommt. Auf Gerechtigkeit zum Beispiel. Oder auf's Klugscheißen. Manchmal muss man einfach laut und deutlich sein.

4. Ich sag' meine Meinung, wann es mir passt!


Schweigen assoziiere ich mit Angst. Mit Traurigkeit und Trägheit. Nicht wirklich mit Gold. Auch die Kroaten erblicken im Schweigen offensichtlich keinen Schatz, keine Tugend. Da wird eigentlich schlichtweg alles kommentiert, ob man will oder nicht. Wieso auch nicht? Das kann nur bereichernd sein. Ganz gleich, ob Ihnen die Meinung passt oder nicht. Es lohnt sich, über diesen Aspekt nachzudenken.

5. Ich explodiere lieber beim Streit als innerlich!


Mit mir zu streiten ist mindestens genauso ungemütlich wie mit einem Kroaten. Streit ist ja ohnehin keine angenehme Sache. Und dennoch manchmal unbedingt nötig, um Dinge zu klären und seiner Wut Luft zu machen.

Nicht, dass ich streitsüchtig wäre (bei den Kroaten kann ich es allerdings nicht gänzlich ausschließen). Aber etwas in mich hineinfressen? Auf keinen Fall! Schon beim Gedanken daran explodiere ich.

6. Ich bin freundlich zu meinen Mitmenschen!


Ja. Wirklich. Grundsätzlich bin ich das. Ich schätze und achte meine Mitmenschen. Und so erlebe ich auch die meisten Kroaten. Bei ihnen wie bei mir scheint lediglich dieselbe Devise zu gelten: "So, wie es in den Wald hineinruft" und bei schlechter Laune lieber mal zu schweigen.


Aber dieses Schweigen ist halt so eine Sache, wie Sie nun erfahren haben. Das hat sowas Magnetisches wie die deutsche Regelkonformität.


7. Ich öffne mein Herz für diejenigen, die es berühren.


Dazu schweige ich tatsächlich.


8. Ich vertraue auf Gott!


Auch in dieser Hinsicht mag ich es, mich ins weitgehend gläubige kroatische Volk einzufügen. Gott ist mein Wegbegleiter, ich glaube und vertraue darauf. Und dennoch bin ich nicht päpstlicher als der Papst und fluche mindestens genauso gut wie ein alter Kroate. Manchmal hoffe ich sogar, dass der liebe Gott in gewissen Momenten einfach mal nicht hingesehen hat bei mir.


9. Kurzum: Ich bleibe so, wie ich bin!


Dies scheint mir - gerade in diesen Zeiten - viel schwieriger zu sein, als sich ändern zu wollen: man selbst zu bleiben.


Ich glaube, ich bin ein guter Mix. Aus ordentlichem Deutschen und chaotischem Kroaten. Ein Ordnungschaot sozusagen. Oder auch einfach nur verrückt. Egal. Ich fühle mich wohl, so wie ich bin! Und daher bleibe ich so.


Das ist überhaupt der beste Vorsatz: Bleiben Sie so, wie Sie sind!


In diesem Sinne: Sretna nova godina!


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