Illustration (Foto: HRT) Illustration (Foto: HRT)

In Deutschland mit Kindern eine adäquate Mietwohnung zu bekommen, gleicht in etwa der Chance auf einen 6er im Lotto. Nicht selten erweisen sich Anbieter bereits in der Annonce als Kinderfeinde schlechthin, wird eine fünfräumige Wohnung auf dem Areal einer Häusergröße etwa explizit für Einzelpersonen oder Paare mittleren Alters beworben. Als Empfehlung deklarieren sie das. Natürlich. Wie nett. Und wenn sie könnten, nähmen sie selbstverständlich auch eine zehnköpfige Familie liebend gerne als Mieter. Jedoch eignen sich besagte Wohnungsangebote viel besser für die gut verdienende, berufsbedingt ständig abwesende, nichtrauchende und nach Möglichkeit nicht einmal atmende Klientel. Ohne Kinder. Aus Gründen. Die wir nie erfahren, nur erahnen können. Ich schätze, diese Wunschmieter brauchen einfach den Platz, sei es für die getrennten Schlafzimmer, was die Kinderlosigkeit mitunter erklärte, die Bibliothek, das Büro, die Sauna oder den treuen Vierbeiner. Jene sind übrigens willkommene Mieter. Zwar haarig und sabbernd, hören jedoch auf's Wort und hüten die hart erarbeiteten Schätze ihrer deutschen Herrchen. So wünscht man das in deutschen Haushalten. Wo kämen wir auch hin, vernähm man abends nach seinem wohlverdienten Feierabend noch Kinderlärm aus der Nachbarswohnung? Zuviel Leben anscheinend für des Deutschen Geschmack. Der Deutsche lebt, um zu arbeiten, pflegte ein in Deutschland lebender älterer Kroate stets zu sagen. Weiter waren seine Worte, der Kroate arbeitet, um zu leben. Recht sollte er behalten, der weise Kroate.

Zwar bewege ich mich derzeit nur rudimentär auf dem kroatischen Immobilienmarkt, kenne die Gegebenheiten dieses jedoch recht gut aus meiner seinerzeitigen beruflichen Tätigkeit auf selbem. Nie, zu keiner Zeit, ist mir im Zuge dessen seitens der Kroaten auch nur der Hauch einer Abneigung gegen Kinder aufgefallen, im Gegenteil, waren Kinder überhaupt kein Thema, gehören sie für die Kroaten doch ganz selbstverständlich dazu wie die Luft zum Atmen. Befremdlich eher, wenn im gebärfähigen Alter noch keine vorhanden sind. Da fragt sich der gemeine Kroate, wie es sich so denn überhaupt leben lässt, derweil die Deutschen über "Teeniemütter", die sich real teilweise schon in den Zwanzigern befinden, skandalträchtige Dokusoaps zu kreieren wissen. Getreu dem Motto "Schaut her, wie man es nicht macht!", ein Fingerzeig, dass man in solchen Fällen allenfalls noch als abschreckendes Beispiel im Fernsehen taugt. Worum es im Leben tatsächlich geht, spürt die kinderlose deutsche Frau dann spätestens mit Anfang 40 und nach 4 abgeschlossenen Ausbildungen. Glückwunsch.

Dass die Kroaten ein überaus kinderfreundliches Volk sind, das seine Erfüllung in der Familie sieht, erfährt man aber nicht nur bei der Immobiliensuche, oder gar nur unter den Landsleuten selbst, nein. Auch Urlauber können hier gewiss jeder für sich zig Beispiele für die Kinderfreundlichkeit der Kroaten nennen, so behaupte ich. Ganz gleich, ob im voll besetzten Restaurant die Kinder zwischen den Beinen der Kellner rumturnen, im Supermarkt an der Kasse nörgeln oder im Bus bei 40 Grad die schwitzende Masse zusätzlich mit der gefühlten Lautstärke eines unmittelbar daneben landenden Hubschraubers beschallen; die Kroaten zeigen sich stets verständnis- und rücksichtsvoll, eine bemerkenswert ehrliche Herzlichkeit und sind selbst in Situationen, in denen der Deutsche schon längst die dritte Krankmeldung wegen Burnouts eingereicht hätte, zu Späßen aufgelegt, wenn es um Kinder geht. Omas, die den Kindern beim Abendspaziergang frisch gepflücktes Obst in die Hand drücken, auch bei unterschiedlichen Sprachen einen Weg der Kommunikation finden, mit den Kleinen Quatsch machen oder sie einfach mal lieb herzen. Selbst der müdeste Feuerwehrmann winkt das am Zaun staunende Kind in die Feuerwache und nimmt sich trotz Sprachbarrieren ausreichend Zeit für eine private Spontanbesichtigung der kroatischen Feuerwehrwagen. Einfach so.

In einer Bankfiliale vernahm ich einst von den besetzten Schaltern aus den Ruf in die wartende Menge, alle Mütter mit Kindern mögen bitte - trotz nummerischer Reihenfolge! - zuerst vortreten. Soviel Kroatisch verstand ich aus dem Zusammenhang zwar, war mir aber dennoch unsicher, ob ich mich nicht wohl doch verhört hatte. Das musste ein Irrtum sein. Warum, so fragte ich mich, werden wir bevorzugt behandelt - ja, beachtet statt der lästigen Plagen wegen verachtet? Es war klimatisiert, kein Feuer schien ausgebrochen, kein Bankraub in Gange zu sein, vielleicht zwei, maximal drei Kunden vor uns, die Kinder zufrieden am Maltisch oder bei Mama im Arm. Noch während der Aufforderung der Bankangestellten traten alle anderen Kunden schlagartig geordnet zur Seite - ganz ohne genervtes Stöhnen, Augenrollen oder den vehementen Hinweis auf die Einhaltung der Reihenfolge - und winkten mich und eine andere Mutter nach vorne durch. Ich hatte mich also nicht verhört und passierte wie eine Königin, jedoch mit offener Kinnlade und weit aufgerissenen Augen die eigens für Frauen und Kinder gebildete Rettungsgasse zum Bankschalter. Am roten Teppich fehlte es zugegebenermaßen, hätte ich meine dämlich dreinschauende Miene so eventuell leichter dem königlichen Schreiten anpassen können. Doch - diese Wertschätzung und Fürsorge gefiel mir! Ebenso wie die Tatsache, dass selbst Kinder in Kroatien kinderfreundlich zu sein scheinen. Ob das der Junge im Park war, der unserem Großen aus freien Stücken beim Schuhebinden zu Hilfe eilte, ein anderer, der ihm völlig selbstlos beim Strohhalmeinstechen des Trinkpäckchens Unterstützung anbot, ein weiterer, der sich spontan beim Schaukeln zu ihm gesellte oder die Nachbarskinder, die ihn auf kurzen Hinweis des Vaters ganz selbstverständlich mitlaufen ließen. In Kroatien wird nicht nur Familie groß geschrieben, sondern wahre Nächstenliebe mit Priorität auf die Schwächsten der Gesellschaft gelebt. Frauen und Kinder zuerst! Gilt dieses Prinzip schon bei banalsten Dingen des Alltags, wird man in echten Notfällen auf die Hilfe der Kroaten zählen können, soviel sei sicher.