Illustration (Foto: Screenshot der Übersichtskarte von Hilfsangeboten und -gesuchen auf dem Portal potres2020.openit.hr) Illustration (Foto: Screenshot der Übersichtskarte von Hilfsangeboten und -gesuchen auf dem Portal potres2020.openit.hr)

Ein neues Jahr hat begonnen. Ein Jahr, das nahtlos mit belastenden Ereignissen an das letzte anschließt. So schön es auch wäre, ließe sich die Uhr manchmal einfach zurückdrehen, um wieder bei Null starten zu können... in der aktuellen Zeit holt uns die Realität mehr denn je ein und Vorsätze für das neue Jahr fielen dem ein oder anderen dieses Mal sicherlich etwas schwerer, betrübt und demotiviert dieser ungewisse Stillstand von Zeit zu Zeit doch sehr. Unser Herz mag sich derzeit öfter gebrochen anfühlen, verwundet von etlichen Stichen und schwer vor Traurigkeit. Ja, manchmal erschleicht uns vielleicht sogar der Gedanke, dass unsere Herzen immer mehr verkümmern. Wir fragen uns, wo die Liebe geblieben ist und zweifeln daran, dass unser Herz diese Durststrecke übersteht. Wie der Körper das Wasser, verlangt unser Herz nach Wärme, es sehnt sich nach Geborgenheit, die wir im Miteinander finden.

Wie aber soll das funktionieren aktuell? Als wäre die Krise, in der wir uns seit Monaten befinden, nicht schon genug, nimmt der Wahnsinn drumherum ja trotzdem seinen ungebremsten Lauf; seien es berufliche, schulische, familiäre, gesundheitliche oder sonstige Hürden, die wir mal eben nebenher zu bewältigen haben. Dies verlangt uns soviel Energie ab, dass wir uns mehr als einmal fragen, woher wir diese noch nehmen sollen. So schienen unsere Herzen geradezu wie im Schockzustand automatisch zu funktionieren, als sie von den schlimmen Erdbeben noch einen zusätzlichen Hieb bekamen. Sie blühten sogar wahrlich schlagartig auf, dass es überwältigend war... und noch ist. Sofort wurden allerorts Sach- und Geldspenden gesammelt, sich on- und offline organisiert, vor Ort und weltweit unterstützt, ob durch Muskelkraft, Gebete oder Gaben. Jeder gab und gibt, was er kann, angetrieben vom Herzen, aus purer Liebe! Größer und schöner als jeder bunte Blumenstrauß. Es ist das wertvollste Geschenk, das wir uns wünschen können! Es ist selten, dass mir die Worte zur Beschreibung fehlen. Jedoch lässt sich das ehrliche Mitgefühl und die selbstlose Hilfsbereitschaft, wie wir es als Reaktion auf die verheerende Naturkatastrophe gerade miteinander erleben, nicht in Worte fassen, sondern nur fühlen.

Ich muss mich für meine Zweifel, die ich bezüglich der Liebe in unseren Herzen zwischendurch gehegt habe, entschuldigen. Sie ist nicht weg und war es auch nie. Manchmal schlummert sie vielleicht, weil sie erschöpft ist und gefüttert werden muss. Auch scheinen unsere Herzen Auszeiten zu benötigen, um dann, wenn das Leid am größten wird, gegensteuern, versorgen und auffangen zu können. Einander. Dieser Mantel der Liebe, der sich aktuell sichtlich um Kroatien legt, gibt uns Hoffnung. Hoffnung, dass wir - allein mit unseren Herzen - gemeinsam durch jede Zeit kommen. Die Liebe ist unsere Kraft, unsere Zuversicht und sogar unsere Waffe, um das Leben als lebenswert zu begreifen, auch wenn wir glauben, nichts mehr zu haben. Unser Herz tragen wir immer bei uns. Es schlägt bereits etwa ab der 5. Woche im Mutterleib. Damit kommen wir und damit gehen wir. Und dazwischen liefert es uns die Lösung für alle Hürden des Lebens. Hören wir darauf!

Nicht nur landesweit, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch grenzüberschreitend, haben sich zahlreiche Menschen zur Hilfe für die vom Erdbeben Betroffenen zusammengeschlossen. Sowohl Kroaten als auch Freunde des kroatischen Volkes, wie aber auch Menschen, die weder die Herkunft noch Kroatien als liebstes Urlaubsziel teilen. So hatte ich gleich nach dem ersten starken Erdbeben die Anfrage sowohl von russischen als auch von deutschen Freunden erhalten, wie sie meiner "Kroatien-Connection" denn helfen könnten. All diese bedingungslose, ja grenzenlose, Liebe macht mich sprachlos und aus tiefstem Herzen dankbar und zuversichtlich. Zuversichtlich für die anstehenden Monate, die höchst wahrscheinlich von weiterem Leid, aber dafür umso größerem Zusammenhalt und Liebe geprägt sein werden. Das kroatische Lebensgefühl, auch da muss ich mich korrigieren, liegt letztlich in uns selbst. Und es hat die Macht, die Welt anzustecken.