Illustration (Foto: HRT) Illustration (Foto: HRT)

Dass Fluchen ein Zeichen für Intelligenz ist, ergab eine im Jahr 2015 veröffentlichte Studie aus den USA, bei welcher die Forscher herausfanden, dass Menschen, die in einer Minute die meisten Schimpfwörter nennen konnten, intelligenter als der Durchschnitt waren. Donnerwetter! Die Kroaten sind demnach das intelligenteste Volk dieses Planeten. Und ich muss wohl doch nochmal einen prüfenden Blick auf unsere Ahnentafel werfen. Selbst unser Jüngster rief vor einiger Zeit mehrfach vergnügt "Boah, sseisse!" durch den Bus. Leider kann ich nicht gänzlich ausschließen, dass er es eventuell tatsächlich von mir aufgegriffen haben könnte, wie böse Zungen gleich wieder behaupteten. Umso erleichterter war ich daher, dass ich in dieser peinlichen Situation ausnahmsweise mal nicht zugegen war. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, im Fluchen recht gut mithalten zu können, was aber die vulgäre Wortauswahl angeht, so gestehe ich den Kroaten gerne ihren wohlverdienten ersten Platz zu. Nein, wir lesen diese Art des Schimpfens nirgends, hören sie jedoch im Prinzip ununterbrochen in Kroatien. Selbst in Situationen, wo man nach den Gründen für die verbalen Ausfälle vergebens wird suchen müssen. Aber seien wir ehrlich: Das erste, was wir beim Erlernen einer Sprache doch alle wissen möchten, sind die Schimpfwörter. Zu einer adäquaten Ausdrucksweise gehört mitunter auch die Beherrschung eines gewissen Gossenjargons. Man muss sich im Alltag schließlich zu helfen wissen.

Ich werde es Ihnen an dieser Stelle jedoch ersparen, näher auf verschiedene Ausdrücke aus dem kroatischen Schimpfwörter-Repertoire einzugehen. Wir alle kennen sie ohnehin, wette ich. Es soll hier auch gar nicht um das Fluchen allein gehen, die kroatische Sprache im Allgemeinen ist doch interessant genug. Für so einige ein Buch mit sieben Siegeln. Aber keine Sorge: Es bedarf keines Lammes, welches durch das Öffnen dieses Buches der kroatischen Sprache eine Apokalypse auslöst. Ein jeder kann es selbst öffnen, jedes Siegel ist dabei eine wertvolle Hürde und glanzvolle Leistung. Selbst so manchem Kroaten fällt es schwer; nicht umsonst sendet und publiziert Glas Hrvatske schließlich viersprachig. Also nur Mut, sich mit der kroatischen Sprache etwas anzufreunden. In der Tat fehlt es im Kroatischen bei etlichen Wörtern eindeutig an Vokalen, hinzu kommen noch 7 Fälle, das Alphabet besteht aus 30 Buchstaben und das Rollen des Buchstabens R will ebenfalls gelernt sein; gerade dann, wenn Sie eher aus dem Sprachraum des kratzigen R's, auch Reibe-R genannt, kommen. Und damit das Kroatisch am Ende auch wirklich nach waschechtem Kroatisch klingt, sind eine ordentliche Lautstärke und wildes Gestikulieren unabdingbar. Jedes noch so langweilige Gespräch muss akustisch und optisch den Anschein eines spannenden Streits innehaben, dessen Ausgang völlig ungewiss ist. Beherrschen Sie diese Grundregeln, ist das im Prinzip schon die halbe Miete.

Ängstigen Sie sich also nicht zu sehr vor Grammatikregeln oder der korrekten Aussprache, auch unsere lieben Auslandskroaten haben damit oftmals ihre Schwierigkeiten und verbessern sich gerne gegenseitig, wobei erstaunlicherweise immer jeder Recht hat. Versuchen Sie zunächst, in die Sprachmelodie einzutauchen, einen Sinn für das Kroatische als slawische Sprache zu entwickeln und schnappen zudem stets so viele neue Wörter auf wie möglich. Dann wird es Ihnen schon bald gelingen, aus Sätzen einzelne Wörter herauszuhören, zu erkennen und somit Zusammenhänge erschließen zu können. Für alle, die die kroatische Sprache von Grund auf lernen möchten (auch dies sind mitunter Kroaten selbst), empfiehlt sich zudem, sich neben den oftmals trockenen Sprachlernbüchern zusätzlich auch Kinderbüchern und -serien zu bedienen, bei denen ein einfacher und übersichtlicher Wortschatz visuell untermalt und somit für den ein oder anderen einprägsamer ist als bloße Konjugationen von Verben. Suchen Sie außerdem auch - oder gerade - mit einem winzigen Wortschatz aktiv den kroatischen Austausch. Dabei lernen Sie erfahrungsgemäß am meisten. Und seien Sie dabei stets ungeniert, auch noch so kompliziert erscheinende Wörter auszusprechen. Legen Sie Ihre Hemmungen ab, über Ihre Bemühungen wird man sich ebenso erfreuen wie über Ihren deutschen, schweizerischen oder österreichischen Akzent, den auch die dort geborenen Kroaten oft nicht leugnen können. Dann klingt es halt wie Kchk. Na und? Möchten Sie das Zungen-R noch erlernen, empfehle ich Ihnen zum Üben Wörter wie "Državlijanstvo" (Staatsbürgerschaft), "Hrvatska" (echt jetzt?) oder auch das bayerische "Natzerl" (Schläfchen), bei welchen das Rollen meiner Meinung nach leichter über die Lippen bzw. die Zunge geht und Sie bei jenen recht gut die Technik erkennen können. Probieren Sie sich aus. Die Devise lautet "Lauschen und Nachplappern" und speziell für Sie, liebe Kroaten: "Fehler eingestehen und öfter mal die kroatische Verwandtschaft anrufen!" Dann dürfen Sie auch getrost korrigieren.

Übrigens können Sie in jedem Alter noch mit dem Erlernen einer Sprache beginnen, nicht zuletzt auch, um sich geistig fit zu halten. So fanden Wissenschaftler aus dem deutschen Nordrhein-Westfalen in einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie heraus, dass sich das Hirnvolumen beim intensiven Lernen einer weiteren Sprache vergrößert, was auch eine Erklärung dafür sein könnte, warum Mehrsprachler im Alter länger geistig fit bleiben. Kinder tun sich lediglich mit der Aussprache leichter als die älteren Generationen. Sie besitzen noch die Fähigkeit, die Aussprache von Wörtern akzentfrei nachzuahmen. Hinzu dürfte nicht zuletzt deren unbeschwerter Umgang mit Neuem kommen.

Schön ist es jedenfalls, egal wo auf der Welt, der Sprache der Menschen zu lauschen, löst es doch in uns allen unterschiedliche Emotionen aus. Höre ich Kroatisch, so fühle ich mich gleich heimisch und es ist schön, dass wir in Deutschland und natürlich dank des Internets heute zahlreiche Möglichkeiten haben, Kroatisch tatsächlich zu hören.

Beherzigen Sie zuletzt jedoch unbedingt meinen wohl wichtigsten Ratschlag, jegliches Fluchen vor Ihren Kindern zu vermeiden! Dies könnte im Kroatischen durchaus peinlicher ausfallen als ein kleines, vergleichsweise dann doch eher lustiges "Boah, sseisse!"