Illustration (Foto: Dana Jungbluth) Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Bisher fühlte ich mich kurz vor der Abreise in mein geliebtes Kroatien eigentlich immer gleich. Immer gleich vorfreudig. Gleich aufgeregt. Gleich gut.

Dann kam Corona.

"Wie kann man in diesen Zeiten bloß verreisen?" war nicht die häufigste, aber mitunter eine Frage, der ich mich stellen musste. Verständlich, durchaus. Die Pandemie ist laut Experten noch nicht überwunden, die Gefahr einer eventuellen Ansteckung nach wie vor präsent. Zudem tragen wir Verantwortung nicht nur für uns, sondern natürlich auch für unsere Kinder. Ebenfalls fühlen wir uns unseren Mitmenschen (egal wo) gegenüber zur Rücksichtnahme verpflichtet. So schwirrten dieses Mal vorab nicht nur Schmetterlinge im Bauch, sondern ebenso gewisse Sorgen rund um Corona:

Wäre es zu riskant, mit Kind und Kegel nach wochenlanger disziplinierter Abstandshaltung nun durch die Welt zu reisen, wo wir notgedrungen mit zahlreichen anderen Menschen in Kontakt kämen? Was, wenn wir aus einem der deutschen Corona-Hotspots, NRW, das Virus unwissend mit nach Kroatien brächten, das in der Krise aus meiner Sicht recht ordentlich reagiert und das Virus aktuell offensichtlich mit nur noch wenigen Fällen gut im Griff hat? Wie würden die Kinder den plötzlichen Ortswechsel, diesmal immerhin für einen langen Zeitraum, nach der ohnehin schon sehr belastenden letzten Zeit verkraften? Wie würde es unserer Familie mit unserer Abwesenheit ergehen, nachdem man sich ohnehin schon so lange nicht sehen konnte? Auch die egoistische Frage einer adäquaten medizinischen Versorgung im "Fall des Falles" stellten wir uns vorab, gerade weil wir nun im Hinterland Kroatiens zu verweilen beabsichtigten.

Was soll ich sagen? Wir haben es getan. Wir sind abgereist. Per Flugzeug. Während Corona. Warum? Mal abgesehen von den vorrangig beruflichen Gründen, die uns in erster Linie zu diesem Schritt bewogen haben, stellten sich auch ganz persönliche im Zuge dieser Überlegungen als ebenfalls förderlich heraus. So waren wir uns sicher, dass den Kindern ein Klimawechsel in dieser für sie schwierigen Zeit mehr nutzt als schadet. An geltende Regeln kann man sich überall halten und auch mit der ärztlichen Versorgung durften wir bislang nur positive und sehr gute Erfahrungen in Kroatien machen. Die Hilfsbereitschaft der Kroaten muss ich nicht extra erwähnen, diese dürfte einmalig und jedem von Ihnen bekannt sein.

Die Reise war zugegebenermaßen, trotz leerer, Geisterstädten ähnelnder Flughäfen, beschwerlich. Lange Wartezeiten beim Einchecken und bei den Kontrollen und damit es sich auch lohnt, ein überbuchter Flug, was aufgrund einer erneut notwendigen Gepäckkontrolle eine Verspätung und nicht zuletzt sehr verärgerte Passagiere mit sich brachte. Ohnehin schienen die meisten Leute ob der Umstände ziemlich aggressiv und genervt, die anwesenden Kinder übermüdet und weinerlich. Eine seltsame Atmosphäre. Nun sind wir nicht eines Urlaubs wegen verreist, jedoch wirkten selbst Geschäftsreisen in der Vergangenheit deutlich „urlaubiger“ als das aktuelle Prozedere. In Kroatien angekommen erwartete uns zwar ebenfalls ein leergefegter Flughafen, jedoch mit einer merklich anderen Gesamtstimmung, wie ich finde. Ich kann nicht sagen, ob es an den Masken lag, die man hier vergebens suchte oder an einer völlig normalen und gewohnten Freundlichkeit ohne jegliche Berührungsängste seitens der Einheimischen. Respekt- und rücksichtsvolle Begegnungen, jedoch ohne panisches Wegspringen aus tiefsitzenden Ängsten heraus. Beides respektiere ich, auch kann ich die medizinische Evidenz beider Verhaltensweisen als Laie nur schwer beurteilen. Was ich aber für mich persönlich sagen kann, ist, dass sich die Gegebenheiten in Kroatien gerade gesünder anfühlen als jene in Deutschland. Die Kinder werden hier nicht ausschließlich als Gefahrenquelle, sondern vielmehr als eigene Individuen mit eigenen Bedürfnissen betrachtet. So sieht man hier die Schul- und Kindergartenkinder täglich gemeinsam und ohne Abstand oder Mundschutz mit ihren Lehrkräften gelassen des Weges spazieren. Glückliche Kinderaugen, in die man blickt. So soll es sein, denke ich mir dabei. Auch kommt selbst uns Erwachsenen hier eine Wärme und Sorge entgegen, die in Deutschland aufgrund peinlichst genauer Überkorrektheit mal wieder vollends verloren geht. Handshakes as usual, Beisammensitzen und Gespräche an einem Tisch sowie die Übergabe von köstlichen Aufmerksamkeiten von Hand zu Hand. Was aus epidemiologischer Sicht nun besser ist, wird sich zeigen, für den Moment jedenfalls fühlt es sich richtig an, für die psychische Gesundheit allemal. Ja, es fühlt sich richtig und gesund an, hier zu sein! Nach Heimat eben - in guten wie in schlechten Zeiten!

Und unsere Heimat Deutschland? Unsere dortigen Familien? Die vermissen wir in Kroatien gerade genauso wie in Deutschland, wenn dort aufgrund der Umstände nicht noch schmerzlicher. Von daher tut uns der jetzige Abstand gut und macht uns frei, unseren beruflichen Plänen und zeitgleich der psychischen Aufmunterung unserer Kinder nachzugehen.

Auch Sie haben vielleicht gemischte Gefühle, was eine derzeitige Reise nach Kroatien angeht. Es ist sehr wohl gerade ein wenig anders hier als gewohnt zu dieser Jahreszeit, leer und ruhig. Das kroatische Lebensgefühl aber werden Sie nicht missen, da bin ich mir sicher. Und welche Gründe Sie auch nach Kroatien treiben mögen, Sie wissen am besten, was gut für Sie und Ihre persönliche Situation ist. In diesem Sinne, bleiben Sie gesund, ob in Kroatien oder anderswo! Videmo se… wo auch immer…