Die Stimme Kroatiens

10:29 / 02.12.2021.

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Geburtstagswünsche

Zwei Kinder umarmen sich

Zwei Kinder umarmen sich

Foto: Anna Shvets / Pexels

Bescheidenheit oder Gier?

Je älter wir werden, desto mehr scheinen sich unsere Wünsche zu unserem Ehrentag zu verändern. Während wir als Kinder mit leuchtenden Augen an die neuesten und größten Spielzeuge denken, die wir unbedingt unser Eigen nennen wollen, werden wir als Erwachsene doch meist etwas bescheidener. Wir sind schon froh, wenn es morgens beim Aufstehen nicht überall knackst und wir uns weitestgehend guter Gesundheit erfreuen dürfen. Aber je älter wir auch werden, desto eher müssen wir feststellen, dass gerade die vermeintlich bescheidensten Wünsche doch die luxuriösesten des Lebens sind.

Das wünsch' ich mir!

Dieses Jahr zu meinem Geburtstag habe ich mir einige Tage zuvor einmal intensiv Gedanken darüber gemacht, was ich mir eigentlich speziell für diesen Tag wünsche. So ganz für mich allein und zu meinen Ehren. Das war gar nicht so leicht. Nachdem ich die ersten spontanen Konsum-Gedanken dann doch gleich abschmetterte, überlegte ich weiter, WAS genau ich mir eigentlich sehnlichst wünsche. Meine ohnehin alltäglichen Gedanken an die Gesundheit, die Freude und das Glück meiner Kinder ließ ich nicht gelten; ich wollte etwas finden, das wirklich mir ganz allein galt, mal so richtig egoistisch. Auch sollten es keine geheimen und unerfüllbaren Wünsche sein, nein. Ich wollte mir klar darüber werden, was ich wirklich brauchte UND was man mir rein theoretisch erfüllen könnte. Und mir fiel es ein. Am allermeisten wünsch(t)e ich mir eine Umarmung! Eine richtige, echte Umarmung. Liebevoll, feste und von Herzen!

So armselig dies wirken mag, so sehr fehlt es mir eben. Diesen Wunsch behielt ich für mich. Ich hatte ohnehin nichts geplant für den Tag und zudem wollte ich, weiß Gott, keine Geste des Mitleids erhaschen.

Wohltaten

An meinem Geburtstag war dann erstmal mehr Alltag als alles andere. Aber auch das ist mit fortschreitendem Alter ja eher normal als sonderlich schlimm. Dafür stand für die Kinder etwas Unterhaltung an und deren Freude zu beobachten ist ohnehin das schönste Geschenk. Das Schönste aber an dem Tag war, dass ich tatsächlich eine Umarmung geschenkt bekommen habe. So eine, wie ich sie mir insgeheim gewünscht hatte. Sie war deshalb so besonders, weil sie von jemandem kam, der seit Pandemiebeginn konsequent die Abstände einhält und selbst bei den kürzesten Begegnungen Maske trägt, sodass ich wie gewohnt gleich auf Distanz ging, als der kurze Besuch hereinkam. Umso unsicherer und perplexer war ich, als man plötzlich auf mich zukam, um mich in den Arm zu nehmen. Und ich wurde sogar nochmal herangezogen, als ich mich rücksichtshalber schon aus der Umarmung lösen wollte. Wow! Was soll ich sagen? Was für ein wunderbares Gefühl, umarmt zu werden! War uns das eigentlich jemals so bewusst? Mir schon, daher fehlt es mir sehr!

Nicht genug!

So schön dieser Moment auch war, so traurig war ich hinterher. Ich möchte nicht, dass Umarmungen die Ausnahme sind, von denen man zehren muss bis zur nächsten Ausnahme. Ich hätte das gerne jeden Tag. Nicht, weil ich es als selbstverständlich erachte, undankbar oder gierig bin. Einfach, weil ich die Wichtigkeit dessen zu schätzen weiß und ebenfalls zu geben bereit bin.

Man kann sich, gerade in Krisenzeiten, gar nicht genug umarmen. Die Kroaten scheinen das zu wissen, schenken sie selbst Fremden ihr warmes Herz. Ich wünsche ihnen sehr, dass sie diese Herzlichkeit stets beibehalten. Denn wenn die Kälte erst einmal Einzug erhalten hat, ist sie nur sehr schwer wieder abzuschütteln. Im schlimmsten Fall lässt sie einen erfrieren.

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