Illustration (Foto: HRT) Illustration (Foto: HRT)

Herrlich - wie sie im Sommer in Deutschland alle japsen, schnaufen und stöhnen, sobald sich das Thermometer langsam gen 30 Grad Celsius bewegt. Ein Blick in diese ohnehin das ganze Jahr über gequälten Gesichter verrät viel über den desolaten Zustand der Deutschen. Selbst das traumhafteste Wetter ist für uns Anlass stetigen Echauffierens. Da bleiben wir uns treu. Dass wir im Hochsommer hingegen freiwillig nach Kroatien fahren, wo es gerne mal zehn Grad wärmer ist, zählt als Vergleich nicht. Da geht ja Wind. Am Meer. Den bestellt und bezahlt der Deutsche schließlich mit. Denn ein Tag Regen oder graue Wolken im Urlaub passt dann auch wieder nicht, zumal man doch vorher in diversen Facebookgruppen extra das etwaige Wetter zu seiner geplanten Anwesenheit erfragt, die Klärung nach der lebenslangen Garantie für jenes jedoch aufgrund der euphorischen Urlaubsplanung dabei schlicht vergessen hat. Sonst denkt er doch an jedwede Absicherung, der vorausschauende Deutsche. Selbst Schuld. Lassen wir ihm seinen Adrenalinkick, den er, so scheint es, am besten durch Dauernörgeln selbst herbeizuführen weiß.

Die entspanntere sowie gleichermaßen auch günstigere und somit letztlich gesündere Einstellung wäre alternativ, des Landes und der Menschen wegen in den Urlaub zu fahren. Oder worum geht es den Deutschen im Urlaub in Kroatien? Hört und sieht man sich so um, bevorzugen die allermeisten augenscheinlich die heiße Jahreszeit für ihren Kroatientrip, sehr wohl übrigens auch die Deutsch-Kroaten, die den Besuch bei der Familie nebenbei für ein paar schöne Sommertage zu nutzen beabsichtigen. Ok, nun hat Kroatien auch ein, zwei Sonnenstunden mehr im Jahr zu bieten als Deutschland. Aber ebendrum lohnte sich somit doch allein der Sonne wegen auch ein Urlaub außerhalb der Saison. Ist dann auch nicht so voll da. Am Meer. Wo ja ebenfalls alle hin möchten.

Wie steht der Kroate eigentlich zu der mediterranen Hitze? Er weiß jedenfalls damit umzugehen, soviel steht fest. Während der Deutsche zur prallen Mittagshitze seinen weißen Körper in die brütendheiße Sonne hält, frönen die Kroaten vernünftigerweise ihrer Siesta. "Sve polako" lautet die Devise. Im Sommer nochmal eine Spur mehr als den Rest des Jahres. Zuhause würde das übrigens kaum ein Deutscher - und auch kein Deutsch-Kroate - machen, ist ja gefährlich, die Mittagssonne. Aus Kroatien indes möchte man eine knackige Bräune mitnehmen, um dann später vor den Kollegen behaupten zu können, diese hätte sich quasi ganz beiläufig ergeben. Ist ja Kroatien. Und nochmals, nein, am Meer ist die Hitze eine ganz andere als daheim, fast kühl, redet man es sich lange genug ein. Wenn die Kollegen wüssten, welches Bild sich mittags in Kroatien an den Stränden bietet: Da liegen sie alle. Nicht eingecremt. Krebsrot mit schicken kalkweißen Bikinistreifen des Outfits vom Vortag. Schwitzend. Ja, regelrecht ackernd im wohlverdienten Urlaub. Zu erkennen an den unverändert gequälten Gesichtern, jeden Sonnenbrand, gar Sonnenstich in Kauf nehmend. Ganz en vogue, so ein Urlaubsrot.

Und der gechillte Kroate? Mehr als ein beiläufig feststellendes "vruče je" kommt ihm nicht über die Lippen. Schon süß. So bösartig die Kroaten auch fluchen können, wenn's um's Wetter geht, macht uns Deutschen niemand etwas vor. Da pflegen wir beispielsweise zu sagen "Verdammte Scheiße, ist das unerträglich heiß!". Mit einem angefügten "Ich verrecke!" läßt sich die Dramatik noch entsprechend unterstreichen. Neu entdeckte oder auch schnell erfundene körperliche Wehwehchen aufgrund des Wetters entschuldigen die eigene Unfähigkeit, mit selbem einfach adäquat umzugehen. Der coole Kroate nämlich nimmt es hin wie ein Mann, weiß er doch, ändern lässt es sich nicht, das Wetter. Auch die Kroatin zeigt uns Deutschen, wie die Hitze am besten zu ertragen ist. Sie wird schlicht ignoriert, Make up wie gewohnt aufgetragen, das offene lange Haar bedeckt kuschelig warm Nacken, Schultern und Rücken und der Blazer für's Büro ziert die tapfere Dame. Mein größter Respekt! Kleben und zerfließen würde ich. Ja, vielleicht auch etwas nörgeln. Zwar liebe ich sommerliche Wärme und empfinde jede Temperatur unter der 30-Grad-Marke als kalt, jedoch sehe ich persönlich bei 40 Grad mit Make up nach Sekunden bereits eher aus wie Alice Cooper als das nett zurechtgemachte Fräulein, weswegen ich diesen Anblick meinen Mitmenschen zu ersparen bevorzuge. Abgesehen davon ist Make up sehr hinderlich zur Erlangung meiner feschen Urlaubsröte.

Wenn es Ihnen in Kroatien mitunter um die strahlende Sonne am blauen Himmel geht, dieses Bild bietet sich Ihnen dort oft auch zu anderen Jahreszeiten als lediglich im Sommer. Kroatien ist immer wunderschön, Ihre Freunde und Familie das ganze Jahr über anzutreffen und sicherlich auch dann erfreut über Ihren Besuch. Gequälte Gesichter erleben Sie bei den Kroaten übrigens selbst bei der stärksten Bora nicht so häufig wie in Deutschland.

Die Sonne macht's? Mitunter, gewiss. Vielmehr aber sind es die Menschen, die Kroatien zu dem machen, was es ist: ein einzigartiges und besonderes Werk leidenschaftlicher und interessanter Akteure, die im Team spielen, ihre Bühne mit Stolz repräsentieren und Gäste in dieser perfekt gelungenen Kulisse aus Sonne, Meer und imposanter Landschaft herzlich empfangen. Ein Ambiente, das verzaubert und einlädt, wiederzukommen. Egal wann.