Illustration (Foto: HRT) Illustration (Foto: HRT)

Unterhalten wir uns mit sogenannten Auslandskroaten, können wir oftmals feststellen, dass gerade die im Ausland geborenen Kroaten mit einem inneren Konflikt der Zugehörigkeit zu kämpfen haben. So mancher ist gar geplagt von einer regelrechten Identitätskrise, fühlt er sich doch weder im Herkunfts- noch im Heimatland so richtig anerkannt. In beiden Ländern sähe man sie als Ausländer, berichten nicht wenige. Hinzu kommt oft die Frustration darüber, dass man aufgrund seiner Staatsbürgerschaft lediglich dort wahlberechtigt ist, wo man nicht einmal dauerhaft lebt. Dies ließe sich natürlich ändern, jedoch möchte man auf seinen kroatischen Pass dann auch nicht unbedingt verzichten und eine Rückwanderung zieht man auch eher verhalten in Betracht. Ob aus Gewohnheit, Bequemlichkeit, Ängsten oder sonstigen Gründen, sei einmal dahingestellt. Nichts desto trotz beobachten die Kroaten das politische und gesellschaftliche Geschehen in „ihren“ beiden Ländern interessehalber ganz genau, gewinnt man den Eindruck. So auch in Deutschland, wo sich der einst aus Ärgernis entstandene Slogan "Danke Merkel!" inzwischen regelrecht zum running gag entwickelt hat, kommentiert man etwa scherzeshalber das schlechte Wetter, die verspätete Bahn oder auch einen eigenen Fauxpas damit. Wie aber stehen die Kroaten in Deutschland zur Politik Merkels? Und wie sehen sie im Vergleich dazu die Regierung - speziell Kolinda Grabar-Kitarović - Kroatiens? Eine von mir durchgeführte, nicht repräsentative Umfrage hat ergeben, dass die Kroaten aktuell mehrheitlich der Meinung sind, in Deutschland lässt es sich im Hinblick auf die gesellschaftspolitische Lage besser leben als in Kroatien.

Die Befragung fand vom 23.09.2019 bis 29.12.2019 in Form einer Online-Umfrage statt und war ausschließlich an Personen kroatischer Abstammung gerichtet, die in Deutschland leben, respektive in der Vergangenheit dort gelebt haben. Insgesamt gab es 70 Teilnehmer zwischen 18 und 71 Jahren und älter, wobei die überwiegende Mehrheit mit insgesamt 80,5 % die Altersgruppe zwischen 31 und 60 Jahren stellte. Frauen waren bei der Umfrage mit 61,4 % am meisten vertreten. Von allen Befragten hatten 68,6 % die kroatische und 31,4 % die deutsche Staatsbürgerschaft. Die jeweilige Aufenthaltszeit in Deutschland war bei allen Umfrageteilnehmern recht unterschiedlich, wobei die Gruppe der in Deutschland geborenen Kroaten mit 24,3 % und derer, die weniger als zehn Jahre in Deutschland leb(t)en (21,4 %), zusammen die Mehrheit bildeten. Der Bildungsstand wurde in 34,4 % mit Abitur angegeben, gefolgt von 27,1 % mit mittlerem Bildungsabschluß und 20 % Fachabiturienten. Der berufliche Status war vom Schüler, über den Azubi bis hin zum Angestellten (die größte Gruppe mit 48,6 %), Selbstständigen und zur Hausfrau bunt gemischt.

Die Umfrageergebnisse zur Politik Deutschlands und Kroatiens im direkten Vergleich:

Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Illustration (Foto: Grafik von Dana Jungbluth)

Dass sich einige Kroaten eine politische Kursänderung für Kroatien wünschen, haben die Präsidentschaftswahlen am 22. Dezember letzten Jahres gezeigt. Nun bleibt abzuwarten, welche Art "Danke" der amtierenden kroatischen Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović von den Wählern bei der Stichwahl am kommenden Sonntag zukommen wird.

Abschließend wurde den Teilnehmern die Frage gestellt, wo es sich deren Meinung nach im Hinblick auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage besser leben lässt, was die überwiegende Mehrheit (54,3 %) mit Deutschland beantwortete. Auffällig hierbei war, dass von denjenigen, die aktuell in Kroatien leben (17,1 % der Befragten), 75 % Kroatien für lebenswerter halten, während von den aktuell in Deutschland lebenden Kroaten (80 % der Befragten) dies lediglich 28,6 % so sehen. Es lässt sich natürlich auch so betrachten, dass die meisten Kroaten mit ihrem jeweiligen Aufenthaltsort zufrieden sind. Immerhin gaben 58,9 % der in Deutschland lebenden Kroaten an, dass es sich ihrer Meinung nach aktuell in Deutschland besser leben lässt. Lediglich 10 % aller Befragten halten es außerhalb der EU für lebenswerter.

Illustration (Foto: Dana Jungbluth)

Illustration (Foto: Screenshot der Auswertung über Google-Formulare)

Aus Ihrer eventuellen Identitätskrise können Sie nur alleine herausfinden. Wo Sie sich zuhause fühlen, entscheiden Sie ganz allein, kein Pass, keine Politik und auch keine Statistiken. Aber ganz gleich, wo Ihr Herz auch höher schlägt, herzlich willkommen sind Sie sowohl in Ihrem Herkunftsland Kroatien als auch in Ihrer Heimat Deutschland oder außerhalb der EU! Sie sind eben überall etwas Besonderes, sehen Sie es mal so.

Mit herzlichem Dank an alle Umfrage-Teilnehmer!