Illustration (Foto: HRT) Illustration (Foto: HRT)

"Joa, ist ein schönes Land. Aber die Kroaten sind mir zu nationalistisch!". So die Antwort eines Lehrers, den ich seinerzeit nach seinem Kroatienurlaub neugierig gefragt hatte, wie ihm dieser denn gefallen habe. Ziemlich erstaunt über dieses Fazit eines zweiwöchigen Urlaubes, ging ich - ausnahmsweise mal sprachlos - an meinen Platz zurück und folgte aufmerksam dem Unterricht. Psychologie. Ein Psychologielehrer also, der das so sah. Und wahrscheinlich noch immer so sieht. Zu gerne hätte ich ihn nach den Gründen für seine Einschätzung gefragt. Woran hat er das als Tourist nur festgemacht, dass die Kroaten nationalistisch seien? An den Flaggen, die, zumindest in Dalmatien nahezu an jedem Haus - auch außerhalb von Sportevents - gehisst sind? An einer beobachteten Hochzeitsgesellschaft, die fahnenschwenkend durch die Straßen zog? An den zahlreichen Herren am Strand, die ihr bestes Stück mit allerlei Badehosen-Varianten in den Nationalfarben bekleiden? Oh, da gibt es wirklich oftmals gewagte Outfits zu bewundern. Als nationalistisch jedoch würde ich das jetzt nicht bezeichnen, für meinen Geschmack vielmehr als peinlich oder eben einfach amüsant. Warum denn auch nicht? Ist ihm eventuell jemand ablehnend oder gar rassistisch begegnet? Vorstellen kann ich es mir bei den gastfreundlichen Kroaten nicht, ausschließen aber natürlich auch nicht. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich kann nur spekulieren.

Ja, ich erlebe die Kroaten auch seit jeher als sehr stolzes Volk, übrigens ganz gleich, ob sie in Kroatien oder im Ausland leben. Man zelebriert sein Land, seine Landsleute, seine Musik, Kultur und bemüht sich in der Pflege der Muttersprache, wenn man nicht in Kroatien aufgewachsen ist. Vaterlandsliebend eben. Patriotisch. Und verbunden miteinander. Ok, für so manchen Deutschen bereits ein Grund zur Schnappatmung. Ganz aus, pflegt man sogar landesweit zu jeglichem Anlass das Singen böser Lieder noch böserer Interpreten. Da ist Sippenhaft angesagt. Wer mitsingt, ist ein Nazi. Auch, wenn er den Text gar nicht versteht und die Hintergründe des Sängers nicht kennt. Böse.

Was neben dem kroatischen Patriotismus meines Erachtens beim kroatischen Volk ebenso heraussticht, ist dessen fast durchgängig perfekte englischsprachige Kommunikation, die ich stets bewundere. Die meisten Kroaten unterhalten sich in einer Selbstverständlichkeit mit einem angenehm fließenden Englisch mit ausländischen Gästen, wovon sich diese in einigen Fällen definitiv eine Scheibe abschneiden könnten. Ein Kroate erwartet von seinen Gästen nicht, dass sie sich um seine Sprache bemühen, gleichwohl er sich natürlich sehr über solche Gesten freut. In persönlichen Begegnungen habe ich auch niemals erlebt, dass sich ein Kroate über andere Nationalitäten erhebt oder fremde gar verächtlich macht. Im Gegenteil, zeigen sich die Kroaten stets interessiert und neugierig an anderen Kulturen und träumen nicht selten auch von der weiten Welt außerhalb ihres geliebten Vaterlandes, gerade die jungen Generationen.

Auch zur Wahrheit gehört jedoch sicherlich, nicht entschuldigend, aber mitunter der Geschichte geschuldet, dass man seitens einiger Kroaten eher selten und weniger lobende Worte über so manches Nachbarland vernimmt. Jedoch müssten meinem damaligen Lehrer in seinem zweiwöchigen Urlaub schon extrem viele Menschen begegnet sein, die sich dann auch noch ausgerechnet vor ihm abfällig über eines von diesen geäußert hätten. Da erscheint es mir doch naheliegender, dass es die nationalistischen Badehosen waren, die ihm am Strand zuhauf ins Auge gesprungen sind und sein Bild über die Kroaten wohl etwas irritiert haben dürften. Verständlich.  Akzeptieren wir also seine Entscheidung, sollte er Kroatien deshalb nicht mehr besuchen wollen.

So muss jeder für sich am besten wissen, wo er sich wohlfühlt oder nicht und warum. Und genau so wie wir durchaus aufgrund in der Gesamtheit oft erscheinender Phänomene einer Gesellschaft pauschalisieren, dürfen wir dennoch nie vergessen, dass der Mensch ein Individuum und als solches zu betrachten und zu behandeln ist. Egal, wo er herkommt oder eben nicht. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und meinem - übrigens auch nach dessen Aussage noch - sehr geschätzten Lehrer sei seine Meinung natürlich unbenommen. Vielleicht hat er ja Recht. Was meinen Sie?