Die Stimme Kroatiens

17:18 / 13.06.2022.

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Das Wetter.

Aufkommender Sturm in Brela

Aufkommender Sturm in Brela

Foto: Dana Jungbluth / HRT

Im Anschluss an meist schlechte Nachrichten folgt sogleich immer das Wetter. Zur Ablenkung und Beruhigung vermutlich. Gut, in Deutschland eher zur Förderung des aufgrund der erneuten Hiobsbotschaften gerade erst begonnen Herzinfarktes in Form von zusätzlichen epileptischen sowie Schlaganfällen. Heiteres gibt's da selten. Auch bei wolkig oder stürmisch soll es nicht bleiben. In Deutschland geht man lieber gleich vom Schlimmsten aus und erwartet (sehnlichst?) den übelsten Monster-Tornado seit 1000 Jahren oder so. Drunter gibt's nichts. Selbst, wenn es endlich einmal für einen Tag schön sein soll, mahnt man vor dem eintretenden Hitzetod in der erwarteten schlimmsten Hitzewelle aller Zeiten. Aber man härtet ja ab. Man ist ja nicht aus Zucker. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Nach dem Regen kommt die Sonne.... naja, Sie wissen schon. Und praktischerweise denken die Bildungsminister gleich für alle mit und verordnen - sicherheitshalber - den eintägigen Klimalockdown. Ein Wunder, wer bis dato unbeschadet durch's Leben gekommen ist.

Aber nicht nur in den Nachrichten dient das gute oder schlechte Wetter als Retter jeder Lage. Auch privat machen wir uns das Phänomen brennender Wetterkarten zunutze. Etwa, wenn wir jemandem begegnen, den wir eigentlich nicht leiden können oder dem wir eben nichts zu sagen haben, ein Ignorieren desjenigen jedoch noch unangenehmer wäre, als schlicht und ergreifend über das Wetter zu schwatzen. Als sähe das nicht jeder. Aber dennoch kommentieren wir es, wohlwissend, dass uns unser Gegenüber natürlich zustimmen wird, dass es wahlweise unerträglich heiß oder ätzend dauerverregnet und sowieso in jedem Fall eine absolute Katastrophe ist. Wie wunderbar. Man ist sich einig. Keine Streitpunkte, keine befürchtete Kritik, kein gar nix. Außer Zustimmung. Sonnige Aussichten, so ein Wetterplausch.


Selbst, wenn jemand so mutig ist, doch nicht gleich in tosenden Applaus auszubrechen aufgrund einer Bemerkung zum Wetter, kann man sichergehen, keine Eskalation entstehen zu lassen. Denn man wird dem Wetterfühligen umgekehrt ebenfalls zustimmen, dass es natürlich solche und solche Ansichten und Empfindungen gibt. Beim Wetter geht das. So könnte man doch eigentlich die Diskussionskultur wieder auf ein ordentliches Niveau bringen - mithilfe oberflächlicher Wetterschwätzchen: Argumente vorbringen, Verständnis für den anderen aufbringen, andere Ansichten akzeptieren, darüber nachdenken, gemeinsam erörtern, fertig. Egal, zu welchem Ergebnis dieser Austausch führt - mindestens zu klarer Sicht.


Man könnte mithilfe von Wettermetaphern Diskussionen über Gott und die Welt führen, ohne dass sich Wetterfro(e)sch:in auf die Schallblasen getreten fühlt. Stellen Sie sich das nur einmal vor....... herrlich! In Kroatien aber würde das schwierig. Da spricht man nicht über das Wetter. Man nimmt es hin und fertig. Selbst durch den heftigsten Sturm schlendert man in üblicher Gelassenheit des Weges. Bei klirrender Kälte springt man unbeeindruckt ins Meer, Todes-Hitze bestätigt einen höchstens, in der Hängematte liegenzubleiben und wahrscheinlich würde man selbst eine aufkommende Sintflut gekonnt ignorieren. Lieber ertrinken, als sich die deutsche Blöße der Wetterfühligkeit zu geben. Es macht fast den Anschein, als nähme man die Wetterlage weder wahr, noch ernst. Hitzig wird's da erst, zeigt jemand auf die aufziehenden Wolken oder spannt den Schirm auf, wobei die Hitze entweder durch Explosion oder Implosion für ein überraschendes Donnerwetter sorgt. Man sollte auf jede Wetterlage mit Ausrüstung und mentaler Stärke gefasst sein.


Da lob ich mir die deutschen Teerunden, bei denen die Teilnehme(r):innen:nden (ach, lassen wir den Quatsch) alles bis zum letzten Tröpfchen ausdiskutieren. Recht behält am Ende der, der die Vorhersage gesehen hat und für's Klima hüpft (Pech für die, die zum Hüpfen zu faul sind) - egal, was das Wetter selbst dazu meint. So einfach - oder ebenso müßig - ist das. Tja, die Natur ist nunmal stärker.... als alle Wetterquatscher, Wetterretter, Wetterfühler und Wetterleugner.


Wir sollten öfter über das Wetter reden. So oder so. Ob zur Ablenkung, Rettung, Klärung oder eben des "gut Wetter" wegen. Der Regen fühlt sich auch nicht gleich verletzt, bezeichnet man ihn zum wiederholten Male als nervig und lästig. In diesem Sinne: Sommer, Sonne, Sonnenschein, lassen wir ins Herz hinein. Und den Regen ebenso, einig sind wir uns sowieso.


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