Illustration (Foto: Ivo Cagalj / PIXSELL) Illustration (Foto: Ivo Cagalj / PIXSELL)

Wir schreiben den 4. Juli im Jahre 2020. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika, der jedes Jahr gebührend und stolz zelebriert wird und weltweit ein bekanntes Datum ist. So gedenkt  jede Nation stets bestimmten Ereignissen, um nicht zu vergessen und wertzuschätzen, was gemeinsam erreicht wurde und was man daran hat. Aber nicht nur Geschehnisse sollten wir uns in Erinnerung rufen, ebenso sind es Gegebenheiten, die wir verändern oder bewahren können. Wie etwa unsere Umwelt.

Kroatien verfügt über eine atemberaubend schöne Natur, die leider viel zu sehr geringgeschätzt wird, gewinnt man den Eindruck. Seien es diverse Abfälle, die sorglos allerorts abgeladen werden oder auch etliche Bauten, die die Landschaft verschandeln; der Mensch achtet nur, was er selbst geschaffen hat, nicht aber, was ihm geschenkt wird. Ein berechtigtes Argument sei natürlich, erwirbt eine Person Land, kann sie darauf und damit tun und lassen, was sie will. Weitestgehend zumindest. Was jedoch der Sinn einer verglasten Villa in mediterraner Umgebung beispielsweise sein soll, erschließt sich mir nicht ganz. Ist es der Prestige oder des fehlenden Geschmacks wegen? Oder müssen wir hier tatsächlich von Geschmackssache sprechen und ich sollte mich um meine eigenen Dinge scheren? Wie auch immer, es bleibt zu hoffen, dass solche Investitionen den Einheimischen wenigstens insofern zugute kommen, als dass es den ein oder anderen Reinigungsjob für die verglasten Flächen oder den unabdingbaren Pool gleich am Meer abwirft. Ebenso wie an den Stränden nicht über zu wenig Arbeitsmöglichkeiten geklagt werden kann, lassen nicht wenige Besucher dort regelmäßig ihren kompletten Müll inklusive Plastik und Kippen liegen. Es sind allerdings nicht nur die Ausländer, die das Land mit seiner wundervollen, einst noch weitestgehend unberührten Landschaft mit Füßen oder Baggern treten. Nein, auch die Einheimischen besuchen die Strände und zeigen den Touristen auch sonst, wie Müllentsorgung funktioniert. Berge von prall gefüllten Müllsäcken, gar Autoreifen, Waschmaschinen und sonstiger großer Schrott findet sich vielerorts mitten in der Natur. Dinge, die nicht zum üblichen Urlaubsgepäck gehören. Auch an Stellen und Wegen, an denen Sie auf so gut wie keinen Touristen treffen, finden sich Abfälle, der Bequemlichkeit und Unachtsamkeit halber einfach in die Natur geworfen. Sollen es doch die Schlangen fressen, mögen sich die Verursacher dabei denken. Oder eben nichts.

Zurück zum Bauboom. Es ist natürlich erfreulich, wenn jemand in ein wunderbares Land wie Kroatien investieren möchte. Auch oder gerade diejenigen, die dazu viel Geld in die Hand nehmen, sind wichtig, um auch weitere zahlkräftige Touristen ins Land zu bringen. Erfreulich aber wäre auch, würde man hierbei den Respekt vor den Menschen bewahren, die hier leben, ebenfalls hart arbeiten, von einer Poolvilla jedoch nur träumen können. Betrachten wir die Küste mit ihrer ausufernden und engen Bebauung und begeben uns danach zum Rückzug ins tiefste Hinterland, wird uns schnell klar, dass diese Gegebenheiten in keinem Verhältnis zueinander stehen. Auf der einen Seite das schicke Auslandsdomizil des ausländischen Privatiers, der feinen Sandstrand und Austern bevorzugt, auf der anderen Seite der gut 90jährige, zahnlose Bauer, der auf seinem Traktor freundlich lächelnd den Weg frei macht und nach getaner Arbeit in sein womöglich selbst gebautes Steinhaus fährt, um sich die selbst angebauten Köstlichkeiten bekommen zu lassen. Nun könnte man sagen, beiden geht es sicherlich gut, dem alten Bauern vielleicht sogar ein Stück weit mehr, sehnt er sich wahrscheinlich nicht nach einem Altersruhesitz, da ihm die Ruhe in seinem Heim gewiss ist. Noch. Denn selbst diese kleinen, malerischen, aus einer anderen Zeit wirkenden Dörfchen im Landesinneren Kroatiens werden mehr und mehr von denjenigen entdeckt, die ihnen letztlich den einstigen Charme durch ihren Geschmack nehmen. Niemandem sei sein Fleiß abzusprechen, den er zur Errichtung von Auslandsimmobilien vorab aufgebracht hat, es sei jedem gegönnt, natürlich. Das komplette Zubauen mit unpassenden, teils sehr unattraktiven, nicht einladenden Immobilien jedoch macht traurig und man fragt sich heimlich, ob hier tatsächlich Menschen mit Liebe zum Land dahinterstecken oder doch einfach nur solche, denen Ort und Mitmenschen egal sind, das große Geld und sie selbst sich aber nicht?

Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Ich persönlich erfreue mich an allen Einheimischen, ebenso wie über jeden Besucher des Landes, so verschieden sie sind. Es ist schön zu sehen, dass mein Lieblingsland zahlreiche Menschen aus unterschiedlichen Gründen anzieht. Ich würde mir lediglich etwas Anpassungsfähigkeit an die Gegebenheiten sowie Wertschätzung für das Leben von Mensch und Natur wünschen und kein egoistisches Breitmachen ohne Rücksicht auf Verluste. Da schließe ich mich selbst mit meiner oftmals gewohnt deutschen Erwartungshaltung mit ein.

Wir müssen uns alle darüber bewusst sein und uns ständig erneut in Erinnerung rufen, dass wir nur diese eine Erde haben und dass wir die Orte, an denen wir doch alle so gerne sind (und das kann schließlich überall auf der Welt sein), mit ihren Besonderheiten gemeinsam besser achten und bewahren sollten. Denn Wertschätzung bedeutet nicht, ausschließlich den eigenen Wert zu wahren, als vielmehr das Gesamte. Dazu gehört der Abfall ebenso wie die moderne 5th-Avenue-Villa, die sich in einer Nachbarschaft von alten Steinhäusern mehr schlecht als recht macht. Weniger ist oftmals mehr. Und alte Steinhäuser der wahre Style Kroatiens.