Die Stimme Kroatiens

18:56 / 07.10.2026.

Autor: Tonči Petrić

Nur wenige Minuten trennten Tuđman vom Tod: Raketenangriff auf die Banski Dvori

Franjo Tuđman
Rakete su trebale ubiti Tuđmana i zaustaviti put Hrvatske prema slobodi
Foto: TV Kalendar / Glas Hrvatske

Nur wenige Minuten trennten den kroatischen Präsidenten Franjo Tuđman am 7. Oktober 1991 von einem möglichen Tod. An diesem Tag bombardierten jugoslawische Kampfflugzeuge den Regierungssitz Banski Dvori in Zagreb. Die Raketen trafen auch sein Arbeitszimmer – nur wenige Minuten, nachdem Tuđman den Raum gemeinsam mit Ante Marković und Stipe Mesić verlassen hatte.

Der Attentatsversuch konnte Kroatien auf seinem Weg zur Unabhängigkeit nicht aufhalten. Besonders in Erinnerung blieb eine eindringliche Botschaft Tuđmans: Kroatien würde auch ohne ihn weiterleben – und nun werde es mit ihm in Freiheit leben.


Raketen treffen das Regierungsgebäude


Gegen 15 Uhr am 7. Oktober 1991 ertönten in Zagreb die Sirenen und warnten vor einem Luftangriff. Fast gleichzeitig stieg über der Oberstadt eine Wolke aus Staub und Rauch auf. Zwei jugoslawische Kampfflugzeuge griffen überraschend die Banski Dvori an, den damaligen Sitz der kroatischen Staatsspitze. Auch das Arbeitszimmer von Präsident Franjo Tuđman wurde getroffen.Bei dem Angriff kam ein Zivilist ums Leben, außerdem entstand erheblicher Sachschaden.


Nur wenige Minuten trennten Tuđman vom Tod


Zum Zeitpunkt des Angriffs fand im Regierungsgebäude ein Treffen statt, das dem Raketenangriff zusätzliches politisches Gewicht verlieh. Präsident Tuđman hatte unmittelbar vor dem Angriff mit dem damaligen Vorsitzenden des Bundesexekutivrates, Ante Marković, und dem Präsidenten des Präsidiums der SFRJ, Stipe Mesić, gesprochen. Nur wenige Minuten vor dem Einschlag der Raketen verließ Tuđman gemeinsam mit seinen Gästen den Raum, der anschließend getroffen wurde.


Das Ziel des Angriffs soll darin bestanden haben, mit einem einzigen Schlag wichtige politische Akteure auszuschalten und damit die kroatische Staatsführung zu destabilisieren. Man ging davon aus, dass Kroatien ohne Tuđman einen schnellen militärischen Zusammenbruch erleiden könnte. Mesić hätte zudem durch ein serbisches Mitglied des Präsidiums ersetzt werden können. Anschließend hätte der Ausnahmezustand ausgerufen und die Armee auf die Straßen geschickt werden können. Dieser Plan scheiterte. Eine Verkettung von Umständen bewahrte den kroatischen Präsidenten und seine Gäste vor dem Tod.


„Kroatien wird mit mir in Freiheit leben“


Die Nachricht über den Attentatsversuch löste in Kroatien und international heftige Reaktionen aus. Noch am selben Abend wandte sich Tuđman an die Öffentlichkeit. Er verurteilte den Angriff und machte deutlich, dass weder Verbrechen noch Opfer Kroatien auf seinem Weg zur Unabhängigkeit aufhalten würden. Seine Worte von jenem Tag sind als eine der eindringlichsten Botschaften aus den entscheidenden Tagen der Entstehung des kroatischen Staates in Erinnerung geblieben: „Kroatien würde auch ohne mich weiterleben, und jetzt wird es mit mir in Freiheit leben!“


JNA weist Verantwortung zurück


Die Jugoslawische Volksarmee (JNA) wies nach dem Angriff jede Verantwortung zurück. Aus Belgrad hieß es sogar, jugoslawische Kampfflugzeuge seien an diesem Tag überhaupt nicht im Einsatz gewesen. Der Raketenangriff auf die Banski Dvori blieb dennoch eines der Schlüsselereignisse in den dramatischen Tagen des kroatischen Unabhängigkeitskampfes.


Der Angriff ereignete sich zu einem Zeitpunkt, an dem über die Zukunft Kroatiens entschieden wurde – nur einen Tag vor der historischen Entscheidung des kroatischen Parlaments, mit der die Republik Kroatien die verbliebenen staatsrechtlichen Verbindungen zur Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) endgültig auflöste.

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