Die Stimme Kroatiens

17:44 / 05.05.2020.

Autor: Natali Tabak Gregorić

Laut dem schwedischen Epidemiologen Giesecke werden Impfstoffe vergebens sein

Illustration, (Foto: HRT)

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Foto: - / Pixabay

Johan Giesecke ist der Ansicht, dass Europa einen riesigen Fehler begangen hat.

Das schwedische Modell zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie unterscheidet sich von allen anderen in Europa und der Welt berichtet die kroatische Zeitung „Novi list“. Schweden hat eine vollständige Quarantäne vermieden und die Zahl der Fälle stagniert derzeit.

Schwedische Epidemiologen sind zudem überzeugt, dass sie eine zweite Welle der Pandemie vermeiden werden, da die Schweden bis zum Herbst eine kollektive Immunität, wie sie sagen, erlangen werden. Gleichzeitig haben sie ihre Wirtschaft nicht wie der Rest Europas einer katastrophalen Blockade ausgesetzt.

Die Sterblichkeitsrate für Coronaviren in diesem Land mit 10 Mio. Einwohnern beträgt 22 pro 100.000 Einwohner. Dies entspricht in etwa der in Irland und ist viel besser als in Großbritannien oder Frankreich.

Während andere europäische Länder auf strenge Maßnahmen angewiesen waren, setzten die Epidemiologen in diesem skandinavischen Staat auf bürgerschaftliche Verantwortung und Vertrauen in die Behörden. Schweden hat keine einzige Grenze und auch keine Cafés und Restaurants geschlossen. Auch hat es Kindergärten und Grundschulen offen gelassen.

Sie haben auch den öffentlichen Verkehr nicht eingeschränkt. Friseure, Fitnessstudios und sogar Kinos sind geöffnet. Trotzdem gibt es einige Verbote. Zum Beispiel sind Versammlungen mit mehr als 50 Personen nicht erlaubt, Museen sind geschlossen und Sportveranstaltungen abgesagt.

Ende März verboten die Behörden Besuche in Pflegeheimen. Trotzdem konnte Schweden die älteren Menschen nicht vor der Infektion an Corona schützen. Die Gesundheitsbehörden haben bestätigt, dass ihre ältesten Landsleute schwer von dem Virus betroffen waren, das sich in bis zu 75 Prozent der Alten- und Pflegeheime eingeschlichen und verbreitet hatte. Die Angestellten im Pflegeheim beschwerten sich außerdem über einen Mangel an Schutzausrüstung.

Am vergangenen Wochenende mussten fünf Stockholmer Restaurants wegen Nichteinhaltung der sozialen Distanzmaßnahmen ihre Pforten schließen. Sie können diese jedoch wieder öffnen, sobald sie ein positives Prüfungsurteil erhalten.

In Restaurants und Bars müssen einige Regeln eingehalten werden. Es darf z.B. nicht an Theken serviert werden. Auch muss der vorgeschriebene Abstand zwischen den Gästen und Kellern eingehalten werden. Draußen gibt es jedoch keine Einschränkungen, so dass junge Leute in überfüllten Parks rumhängen und in Cafés gehen.

Diese Politik geht aus der Haltung der dortigen Gesundheitsspezialisten hervor, die die Meinung vertreten, dass kein vollständiger "Lockdown" erforderlich sei. Diese Meinung wurde von der Regierung angenommen.

Einer der wichtigsten Fachberater der schwedischen Regierung ist auch einer der bekanntesten europäischen Epidemiologen, Prof. Dr. Johan Giesecke. Er hat unter anderem fünf Jahre bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gearbeitet und war neun Jahre lang einer der führenden Wissenschaftler am Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Er schrieb ein Lehrbuch über die Epidemiologie von Infektionskrankheiten und hat jetzt einen Lehrstuhl zu diesem Thema am Karolinischen Institut der Universität Stockholm inne.

Die Öffentlichkeit wurde auf ihn aufmerksam, als er erklärte, dass COVID-19 eine leichte grippeähnliche Krankheit sei und dass die Sterblichkeitsrate letztendlich bei etwa 0,1 Prozent liegen werde, wobei die Ergebnisse für alle Länder ähnlich ausfallen würden.

Für Novi list erklärte er die Argumente, die er bei der Beurteilung des Ausmaßes dieser Epidemie vorbrachte und wie die Epidemie zu bekämpfen ist.

In Schweden ist die derzeitige Situation mit der Epidemie so, dass die Zahl der Patienten weder sinkt noch zunimmt, und die dortigen Gesundheitsbehörden warten darauf, dass sich der Rückgang der Zahl der Patienten entsprechend der Situation im übrigen Europa umkehrt. Die Sterblichkeitsrate in Schweden beträgt 12 Prozent.

Über das schwedische Modell sagte er:

„Wir haben mehrere Quarantänen, das Leben funktioniert auch hier nicht ganz normal. Das ist aber nichts, was die Regierung uns aufgezwungen hat. Wir haben den Menschen erklärt, was diese Krankheit ist, wie sie sich schützen müssen und sie respektieren das. Die Leute sind weder in Schweden noch in Kroatien dumm. Wenn wir den Menschen sagen, was für sie gut ist, wenn wir es es ihnen erklären hören sie uns zu.“

Die Menschen in Schweden sind heute viel mehr zu Hause, als vor der Epidemie. Viele Restaurants in Stockholm sind geschlossen, aber nicht, weil die Regierung dies gesagt hat, sondern die Eigentümer beschlossen haben, ihre Räumlichkeiten zu schließen, weil - sie keine Gäste haben.

Die Schweden haben Kindergärten und Schulen nicht geschlossen, gerade weil die Wirtschaft und die öffentlichen Dienstleistungen funktionieren müssen. Weiterführende- und Hochschulen sind jedoch geschlossen und Schüler und Studenten hören Online-Kurse, genau wie in Kroatien, erklärte Gieseke.

Schüler und Studenten seien alt genug, um die Situation zu verstehen, Kinder nicht. Zudem müsse jemand auf die Kinder aufpassen. Wenn das z.B. eine Mutter ist, die im Krankenhaus arbeitet, verliert man die Hälfte der Beschäftigten im Gesundheitswesen, betonte Gieseke und versicherte das schwedische Rezept sei überall anwendbar.

Tatsache sei zudem, dass das Virus viele tötet, aber Tatsache sei auch, dass nur sehr wenige Menschen sehr krank aufgrund des Virus werden. Die meisten entwickeln leichte Symptome der Krankheit oder haben möglicherweise gar keine.

In Europa sind viel mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als wir wissen, erklärte der Epidemiologe. Er schätzt, dass in Schweden ungefähr 500.000 Menschen infiziert waren, was ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung entspricht.

Eine zweite Welle der Epidemie erwartet er zudem im Herbst in Schweden auch nicht.

„Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Herbst ein großer Teil der Bevölkerung immun gegen das Virus sein wird und die Zahl der Patienten nicht mehr zunehmen wird. Im Sommer erwarten wir das Vorhandensein des Virus, aber im Herbst werden wir keine weitere Welle haben. Wir werden bis September eine kollektive Immunität haben“, davon ist Gieseke überzeugt.

Auch ist er der Auffassung, dass kroatische Gesundheitsexperten falsche Ratschläge erteilen. Ganz Europa habe seiner Meinung nach einen Fehler gemacht und werde den Preis dafür zahlen.

Zudem denkt er, dass die Staaten nicht einmal wissen, was sie in die Zukunft in Bezug auf die Gesellschaft, den Staat und die Wirtschaft erwartet ... "Viele sind sich dessen noch nicht bewusst", sagt Gieseke.

Auf die Frage wie sich die Kroaten und der Rest Europas von einer zweiten Welle der Pandemie schützen können entgegnete er:

„Ich würde die Quarantäne auf keinen Fall wieder empfehlen. Es ist wichtig, dass sie ältere und kranke Menschen schützen. Die Jugend muss nicht beschützt werden. Lassen sie sie ausgehen, lassen sie sich amüsieren. Sie müssen nicht geschützt werden, lassen sie die Krankheit sich ausbreiten.“

In den letzten zwei Monaten sind rund 200.000 Tausend Menschen an den Folgen der COVID19 Erkrankung gestorben. Novi list fragte den schwedischen Epidemiologen, was denn seiner Ansicht passiert wäre, wenn Europa keine Quarantänen eingeführt hätten?

Gieseke erklärte: “Sie werden Ihre Sterblichkeit bekommen, wenn sie die Quarantänen beenden. Menschen, die jetzt sterben würden, werden sterben, wenn die Quarantäne vorbei ist. Wenn das Virus im Herbst zurückkommt, weiß ich nicht, ob sie es verhindern können. Ich glaube, diese Epidemie wird bis Weihnachten vorbei sein und bis neue Medikamente und Coronavirus-Impfstoffe auf den Markt kommen wird es lange dauern. Impfstoffe werden von daher vergebens sein.“

 (Quelle:Novi list)

 

 

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