Die Stimme Kroatiens

10:00 / 03.07.2021.

Autor: Antunela Rajič

Kroatien und Schweiz sollten sich gegenseitig für den offenen und guten Austausch danken

Die schweizerische Botschafterin Frau Emilija Georgieva

Die schweizerische Botschafterin Frau Emilija Georgieva

Foto: Tomislav Marić / --

Sie sind die Leiter der diplomatischen Vertretungen, d. h. Vertreter ihrer Länder in Kroatien. Sie sind Vermittler zwischen ihrem Land und dem Empfängerland, sie sind Botschafter/-innen.

Wir haben mit der Schweizer Botschafterin Frau Emilija Georgieva über Kroatien, Schweiz und die gegenseitigen Beziehungen gesprochen.  

Wie gut gefällt es Ihnen in Zagreb? Wie zufrieden sind Sie mit dem Leben in Kroatien?

Kroatien ist ein wunderschönes Land mit einer reichen Kultur, intakter Natur und herzlichen Bürgern. Zagreb erlebe ich als charmante, lebenswerte Stadt, die alles bietet, was man im Alltag braucht.

Wie würden Sie die Hauptstadt Kroatiens einschätzen im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen?

Zagreb hat eine überschaubare Grösse, eine sehr schöne, lebendige Altstadt und viele Parks. Das ist im Vergleich zu anderen Metropolen Gold wert.

Gefällt Ihnen der kroatische Lebensstil? Viele behaupten ja er sei sehr locker und die Menschen unbefangen. Der tägliche Gang "na kavu" als ein sehr wichtiges Element dieser Lockerheit.

Der kroatische Lebensstil ist natürlich ein wichtiger Teil, weshalb Zagreb und Kroatien so attraktiv zum Leben sind. Beim Kaffeetrinken kann man sich übrigens auch sehr gut austauschen und viel über Land und Leute lernen!

Wie bewerten Sie die bilateralen Beziehungen zwischen Kroatien und Schweiz?

Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Kroatien sind sehr gut. Wir sehen dies im Wirtschaftsbereich, in der Politik und natürlich auch im Tourismus. Ein wichtiges Element unserer Beziehungen ist der Schweizer Erweiterungsbeitrag für Kroatien (www.swiss-cro.hr), in dessen Rahmen die Schweiz viele Projekte unterstützt.

Einen zentralen Faktor spielen auch die vielen Kroatinnen und Kroaten, die in der Schweiz leben sowie die grosse Anzahl Schweizer Touristen, die in Kroatien Urlaub machen. Sie tragen wesentlich zum gegenseitigen Verständnis und damit zu diesen guten Beziehungen bei. 

Das Bundeshaus in Bern

Das Bundeshaus in Bern

Foto: Glories Francois / ABACA/PIXSELL

Wie schätzen Sie Kroatiens Entwicklung seit den 90er Jahren ein, beziehungsweise den Werdegang von einem vom Krieg zerrütteten Land bis hin zu einem EU Mitgliedskandidat und in der Zwischenzeit einem (fast) vollwertigen EU Mitglied mit all den Rechten und Pflichten.

Kroatien hat in diesen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht und mit viel Engagement seine beiden grossen aussenpolitischen Ziele erreicht, EU- und NATO-Mitglied zu werden. Diese Zielerreichung ist symbolhaft für den Wandel im Land. Hierfür kann ich Kroatien und der kroatischen Bevölkerung nur gratulieren, denn dies ist angesichts der jüngeren Geschichte keine Selbstverständlichkeit.

Glauben Sie Kroatien ist auf einem guten Weg bezüglich des Beitritts zum Schengenraum und zur Eurozone?

Sowohl Schengen als auch die Einführung des Euro gehören zu den wichtigsten aussenpolitischen Zielen Kroatiens.

Die EU-Kommission hat bekanntlich vor kurzem das Dossier Schengen dem Europäischen Rat übertragen, nachdem Kroatien die technischen Bedingungen für eine Aufnahme in den Schengen-Raum erfüllt hat. Es ist jetzt an den EU-Mitgliedstaaten, einen Entscheid zu treffen.

Ähnlich sieht es beim Beitritt der Eurozone aus. Die kroatische Regierung hat auch während der Covid-19-Krise die Einhaltung der Maastrichter Konvergenzkriterien nicht aus den Augen verloren und ist damit auf gutem Weg, das angestrebte Ziel zu erreichen.

Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Lage im Land? Viele kritisieren das „schlechte“ Investitionsklima.

Wirtschaftlich gibt es sicherlich noch Potenzial, das ausgeschöpft werden kann. Dies wird von der Regierung auch gezielt an die Hand genommen und mit der Unterstützung durch die EU-Funds umgesetzt.

Bei der Verbesserung des Investitionsklimas wurden gewisse Fortschritte gemacht. Wir spüren dies auch an einem steigenden Interesse der Schweizer Wirtschaft für Geschäfte/Investitionen in Kroatien. Für Schweizer Interessenten sind vor allem klare, beständige und transparente Rahmenbedingungen bei einem Investitionsentscheid ausschlaggebend.

Die Coronavirus-Pandemie hält seit über einem Jahr die ganze Welt in Schach.

Wie würden Sie den kroatischen Umgang mit der Pandemie einschätzen? Auch in Bezug auf die Impfstoffpolitik und den Impfplan.

Die Pandemie kam für alle Staaten unerwartet und meiner Meinung nach haben die kroatischen Behörden diese Herausforderung gut gemeistert. Für Kroatien ist die touristische Saison sehr wichtig, da gilt es die richtigen Entscheide zu treffen und eine Balance zu finden.

Das von der Regierung angestrebte Ziel, bis Ende Juni 50% der Bevölkerung zu impfen, ist realistisch und wird die weitere Entwicklung der Pandemie beeinflussen. Hier müssen wir alle mithelfen und unseren Beitrag leisten.

Fühlen Sie sich sicher in Kroatien?

Ja, ich fühle mich sicher in Kroatien. Auch empfinde ich die Bevölkerung als sehr aufmerksam und respektvoll. 

Fondue

Fondue

Foto: -- / EXPA/PIXSELL

Welche drei Orte in Kroatien würden Sie jedem Touristen und oder Abenteurer als Sehenswürdigkeit empfehlen?

Am frühen Morgen auf einer kleinen Insel in Dalmatien aufwachen und im Meer schwimmen, Mittags in Istrien Trüffelpasta essen und den Abend in einer Bar in Zagreb geniessen.

Welche traditionelle kroatische Speise essen sie am liebsten?

Frischen Fisch mit Blitva und zur Nachspeise Kremsnita.

Was muss ein Tourist bei einer Reise in ihre Heimat, auf jeden Fall besuchen? Welche traditionellen Spezialitäten müssen gekostet werden?

Auf jeden Fall empfehle ich im Sommer, sich in der Limmat in Zürich oder in der Aare in Bern abzukühlen. Es ist ein Erlebnis, in einem sauberen Fluss mitten durch die Stadt zu schwimmen. Um wieder Energie zu tanken, müssen Sie Rösti probieren, ein feines, knuspriges Kartoffelgericht. Und in den Bergen gehört natürlich ein Raclette oder Fondue auf den Tisch.

Wofür sollte Kroatien Schweiz danken und andersrum?

Wir sollten einander gegenseitig für den offenen und guten Austausch danken, den wir institutionell aber auch über unsere Bevölkerungen pflegen. Aber ich glaube, wir danken einander durchaus dafür.

Wir alle kennen Stereotype. Die Schweizer gelten als gewissenhaft und die Kroaten sind bekannt für ihre Gastfreundschaft. Welche Charakteristiken der Schweizer halten sie als besonders lobenswert, und welche Kroatischen?

Als Schweizerin schätze ich die Offenheit und Verbindlichkeit meiner Landsleute. In Kroatien fällt mir tatsächlich die Gastfreundschaft auf sowie eine herzliche Hilfsbereitschaft im Alltag.

Möchten Sie unseren Lesern und Zuschauern aus der DACH Region noch etwas mitteilen?

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern der Stimme Kroatiens einen schönen und erholsamen Sommer.

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