Die Stimme Kroatiens

20:34 / 18.10.2026.

Autor: Antunela Rajič

«Blutige Weinlese» in Lovas: Kroaten wurden in ein Minenfeld gezwungen

Blutige Weinles
Blutige Weinles
Foto: Rajic / HRT

Vor 35 Jahren wurden 51 kroatische Einwohner des ostkroatischen Ortes Lovas gezwungen, ein Minenfeld zu betreten. 21 Menschen kamen dabei ums Leben, 14 wurden verletzt. Insgesamt verloren während des Kroatienkriegs 89 Einwohner von Lovas ihr Leben. Bis heute erinnert der Ort an die Opfer eines Verbrechens, das sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

«Ich habe die ganze Hölle durchlebt – ich musste nur nicht ins Minenfeld gehen und dort die Toten einsammeln.» Diese erschütternden Worte stammen von Krunoslav Šmaholac, der als 16-Jähriger die Schrecken des Kroatienkriegs in Lovas überlebte. 

Am 18. Oktober 1991 zwangen Angehörige der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee (JNA) und serbischer paramilitärischer Einheiten 51 Kroaten unter Waffengewalt, ein Minenfeld zu betreten. Das Verbrechen ging als «Blutige Weinlese» in die Geschichte ein. 21 Einwohner wurden getötet, 14 weitere verletzt. Insgesamt kamen während des Krieges 89 Menschen aus Lovas ums Leben. Ihre Namen und ihr Schicksal bleiben unvergessen.


Mit Kranzniederlegungen, brennenden Kerzen und Gebeten gedachte Lovas der Opfer des Kroatienkriegs. Besonders bewegend waren die Erinnerungen jener, die die Gräuel selbst erlebt und überlebt haben. «Ich blieb mit 16 Jahren im Dorf zurück, zusammen mit meiner inzwischen verstorbenen Mutter. Ich habe die ganze Hölle durchlebt – nur musste ich nicht ins Minenfeld gehen und dort die Toten einsammeln. Jeden Tag ging man zur Arbeit und trug ein weisses Band am Arm, damit jeder wusste, dass man Kroate war», erinnert sich Krunoslav Šmaholac, Einwohner der Gemeinde Lovas. Seine Worte geben einen Einblick in den Alltag der kroatischen Bevölkerung während der Besatzung und in die Angst, die das Leben der Menschen bestimmte.


Eines der schwersten Verbrechen in Lovas ereignete sich am 18. Oktober 1991. Angehörige der ehemaligen JNA und serbischer paramilitärischer Einheiten trieben 51 kroatische Einwohner unter Androhung von Waffengewalt in ein Minenfeld. Die Tat wurde als «Blutige Weinlese» bekannt. 21 Menschen verloren dabei ihr Leben, 14 wurden verletzt. Das Verbrechen ist bis heute ein schmerzhaftes Kapitel in der Geschichte des Ortes. Insgesamt starben während des Kroatienkriegs 89 Einwohner von Lovas.


Für die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden ist jeder Jahrestag eine erneute Konfrontation mit schmerzhaften Erinnerungen. Dennoch sehen sie es als ihre Aufgabe, die Ereignisse an die jüngeren Generationen weiterzugeben. 

«Jedes Jahr ist emotional und schwer. Die Erinnerungen sind belastend, aber wir leben damit. Wir erzählen es den Kindern, damit nichts vergessen wird und sie wissen, was geschehen ist. Wir schüren keinen Hass. Wir wollen nur, dass sie verstehen, worauf unser Staat gegründet ist», sagte Franjo Došen, Vorsitzender der Ortsgruppe des Verbandes der kroatischen Kriegsveteranen (UDVDR) in Lovas. Auch die Bürgermeisterin der Gemeinde Lovas, Lea Vidić, unterstrich, dass das Verbrechen selbst nach 35 Jahren nicht in Vergessenheit geraten dürfe. 

«Lovas liegt in der Nähe von Vukovar. Deshalb haben so viele Menschen ihr Leben verloren. Wir werden nicht zulassen, dass dieses schreckliche Verbrechen nach 35 Jahren vergessen wird», erklärte Vidić.




Zahlreiche Delegationen, Vertreter der Gemeindeverwaltung sowie Angehörige und Verwandte der Getöteten legten Kränze nieder und entzündeten Kerzen zum Gedenken an die Opfer. In der Pfarrkirche des heiligen Erzengels Michael wurde eine Gedenkmesse für alle gefallenen, getöteten und vermissten Einwohner der Gemeinde Lovas gefeiert. 35 Jahre nach der «Blutigen Weinlese» hält Lovas die Erinnerung an die Opfer wach. Die Botschaft der Gedenkfeier ist klar: Die Wahrheit über das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten und muss an kommende Generationen weitergegeben werden.

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