Der kroatische Sänger Marko Perković Thompson ist am Samstagabend vor rund 6.500 Besuchern in der ausverkauften Porsche-Arena in Stuttgart aufgetreten. Während zahlreiche Fans das Konzert als musikalisches Treffen der kroatischen Gemeinschaft erlebten, berichteten deutsche Medien über umstrittene Symbole im Publikum. Bereits im Vorfeld hatte der Auftritt politische Diskussionen ausgelöst.
Das Interesse an dem Konzert war groß: Innerhalb von nur drei Stunden waren sämtliche Eintrittskarten verkauft. Kroaten aus allen Teilen Deutschlands reisten nach Stuttgart, um gemeinsam die Lieder des Musikers zu hören. Viele Besucher sangen während des Konzerts mit.
Thompson begrüßte das Publikum und bedankte sich für den Empfang. Besonders erwähnte er die deutschen Freunde, die einige Konzertbesucher mitgebracht hatten. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung von Familie, Glauben und Heimat sowie die Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Völkern.
Deutsche Medien berichten über umstrittene Symbole
Der Auftritt wurde jedoch auch von kritischen Berichten begleitet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa), deren Meldung unter anderem von der Tagesschau und der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen wurde, berichtete, dass einzelne Konzertbesucher Fahnen und Schals mit dem umstrittenen Gruß „Za dom spremni“ gezeigt hätten. Zwei entsprechende Fahnen seien deutlich sichtbar an einer Tribüne angebracht gewesen.
Der Gruß war während des Zweiten Weltkriegs die offizielle Grußformel der faschistischen Ustascha-Bewegung, die mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbündet war. Das kroatische Verfassungsgericht hat seine Verwendung als verfassungswidrig eingestuft. Thompson selbst verweist dagegen auf die Verwendung des Grußes während des kroatischen Unabhängigkeitskrieges in den 1990er-Jahren.
Diskussionen bereits vor dem Konzert
Schon vor der Veranstaltung hatten einzelne politische Vertreter und Initiativen die Absage des Konzerts gefordert. Kritisiert wurden insbesondere die nationalistische Ausrichtung einiger Lieder und der Umgang mit Symbolen der Ustascha-Bewegung.
Die zuständige Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft erklärte jedoch, dass keine ausreichende rechtliche Grundlage für eine Kündigung des Mietvertrags bestanden habe. Mit Thompsons Management sei vereinbart worden, dass keine kritischen Lieder gespielt und keine faschistischen Inhalte geäußert würden.
Nach Berichten kroatischer Medien unter Berufung auf deutsche Quellen wurde beim Konzert dennoch das Lied „Bojna Čavoglave“ mit dem umstrittenen Gruß aufgeführt. Ob dies rechtliche oder vertragliche Konsequenzen haben wird, war zunächst offen.
Unterschiedliche Wahrnehmungen des Auftritts
Das Konzert verdeutlicht die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Sängers. Für viele seiner Anhänger, insbesondere innerhalb der kroatischen Diaspora, stehen seine Musik und die Verbindung zu Kroatien im Vordergrund. Kritiker sehen dagegen in bestimmten Liedtexten und Symbolen eine problematische Nähe zu ultranationalistischen und rechtsextremen Positionen.
Die Diskussion dürfte auch mit Blick auf weitere geplante Auftritte des Musikers in Deutschland anhalten. Für den 13. November ist ein Konzert in Frankfurt vorgesehen.