Die Schweiz bietet deutlich höhere Gehälter und eine größere Kaufkraft als Kroatien – doch das Leben in Zürich hat seinen Preis. Gleichzeitig ist die Stadt Heimat einer großen kroatischen Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten zwischen Integration und dem Bewahren ihrer Wurzeln lebt.
Zürich gehört zu den wohlhabendsten, aber auch teuersten Städten Europas. Ein Kaffee kann bis zu sechs Franken kosten, für ein Mittagessen werden schnell 35 bis 55 Franken fällig. Besonders teuer sind Dienstleistungen und Wohnen: Für eine Zweizimmerwohnung können monatlich bis zu 2.500 Euro anfallen, Waschen, Schneiden und Föhnen beim Friseur kostet umgerechnet teilweise mehr als 100 Euro.
Dem stehen deutlich höhere Einkommen gegenüber. Das durchschnittliche Bruttogehalt in der Schweiz liegt bei rund 6.700 Franken im Monat. Auch Studentenjobs werden wesentlich besser bezahlt als in Kroatien. Hohe Gehälter, hohe Lebenshaltungskosten.
Trotz hoher Preise ist die Kaufkraft in der Schweiz größer. Wer allerdings in Zürich einen ähnlichen Lebensstandard wie mit einem Monatsbudget von rund 3.900 Euro in Zagreb erreichen möchte, benötigt inklusive Miete ungefähr 10.200 Euro.
Rund 80.000 Kroaten in der Schweiz
Zürich hat auch eine lange Verbindung zu Kroatien. Die beiden kroatischen Nobelpreisträger Lavoslav Ružička und Vladimir Prelog wirkten hier. Heute leben rund 80.000 Kroaten in der Schweiz, der Kanton Zürich zählt zu ihren wichtigsten Zentren.
Während frühere Einwanderergenerationen vor allem in der Industrie tätig waren, arbeiten Kroatinnen und Kroaten heute in nahezu allen Bereichen – von Banken, IT und Wissenschaft bis hin zu Gastronomie und Unternehmertum. Gleichzeitig bleibt die Bewahrung der eigenen Sprache und Kultur für viele von großer Bedeutung.
„Wir tragen unsere Heimat mit uns“
Seit 25 Jahren engagiert sich der Kroatische Kulturklub in der Schweiz für die Pflege der kroatischen Identität und den Austausch mit der Schweizer Gesellschaft.
„Wir sind nicht nur hierhergekommen, um zu arbeiten. Wir sind gekommen, um hier zu leben, und tragen dabei unsere Heimat mit uns“, sagt Klubpräsidentin Antonela Grill Zečević.
Nach der Einstellung des gedruckten Magazins Libra setzt der Klub verstärkt auf digitale Angebote. Das Onlineportal soll künftig auch anderen kroatischen Vereinen Raum für ihre Veranstaltungen, Projekte und Erfolge bieten.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die jüngere Generation. Sanja Guć Babić etwa legt großen Wert darauf, dass ihre in der Schweiz geborene Tochter Kroatisch spricht. Zu Hause wird Kroatisch gesprochen, während das Kind in der Schule Deutsch verwendet.
Auch Vereine suchen nach neuen Wegen, junge Menschen für kroatische Kultur und Tradition zu begeistern. Dabei spielen soziale Netzwerke ebenso eine Rolle wie neue kulturelle Formate. Die Musiker Filip Novosel und Tihomir Hojsak verbinden beispielsweise kroatische Musiktradition mit zeitgenössischen Kompositionen.
Zwischen zwei Ländern
Nach einem Vierteljahrhundert verfolgt der Kroatische Kulturklub weiterhin dasselbe Ziel: Menschen zusammenzubringen und einen kroatischen Kulturraum in der Schweiz zu erhalten, den auch kommende Generationen weiterentwickeln können.
Für viele Kroaten ist die Schweiz längst zum Lebensmittelpunkt geworden. Kroatische Sprache, Kultur und Herkunft bleiben dennoch ein wichtiger Teil ihres Alltags – und verbinden ihr Leben zwischen zwei Ländern.