(Foto: Otto-Friedrich-Universität Bamberg) (Foto: Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

"In Deutschland gibt es 89 Slawistik-Studien für Bachelor. Unter diesen gibt es kein einziges Kroatistik-Studium. Dieses Fach kann an 13 Studien studiert werden, jedoch nicht selbständig, sondern nur in Verbindung mit der bosnischen oder der serbischen Sprache gemeinsam", erklärt der Dozent der kroatischen Sprache an der Universität in Oldenburg Goran Krnić.

- Ein ähnliches Thema wurde in Zagreb bereits vor zehn Jahren angesprochen - erinnert sich Krnić. Damals stand die kroatische Literatur an den ausländischen Universitäten im Fokus des Interesses. Bis heute hat sich um den Status der kroatischen Sprache nicht viel geändert, trotz einschneidender Änderungen in den Ausbildungsprogrammen an deutschen Universitäten.

- Das Interesse für Slawistik, insbesondere für Südslawistik, hat sich verringert und die kleinen Literaturen hatten das Nachsehen. Wir hatten erwartet, dass die Übersetzungstätigkeit eine Blüte erleben würde, aber nicht einmal das ist eingetroffen - führt Krnić aus.

(Foto:Kristina Ivandić/Stimme Kroatiens)

- Das Fehlen eines eigenständigen Fachs an deutschen Hochschulen ist eines der größeren, jedoch nicht auch das Schlüsselproblem. Mich interessiert, was wir machen könnten und ob wir die Haltung gegenüber diesen Studien ändern können. In Deutschland sollte man Abstand nehmen, auf hunderte Weisen Kroatistik zu studieren. Die Energie sollte man an ein paar Standorten bündeln, wo man mit guter Qualität arbeiten könnte - meint Krnić.

- Die Idee, ein Croaticum – ein Studienzentrum für die kroatische Sprache – in Deutschland zu gründen, existiert bereits seit 15 Jahren. Mit der Unterstützung einer solchen Institution und des kroatischen Staates könnte Vieles geändert werden - hebt Krnić hervor.

Eine kroatische Literatur für den deutschen Leser?

- Die kroatische Literatur hat in Österreich und Deutschland erst ab dem Jahre 2000 Aufmerksamkeit erlangt, und zwar vor allem nach 2008, nachdem Kroatien Partnerstaat auf der Buchmesse in Leipzig wurde sowie erst nach dem EU-Beitritt - hebt der Slawist und Germanist Tihomir Glowatzky hervor.

Der Aufschwung, den die kroatische Literatur durch die Messe in Leipzig erfahren hatte, wurde nicht genutzt und die Situation kehrte zu jener zurück, wie sie zu Beginn des vorigen Jahrzehnts bestanden hat, folgert Krnić. Es stellt sich daher die Frage, was mit den Titeln passiert ist, nachdem die Bücher publiziert wurden, und woraus sich ein niederschmetterndes Bild ableiten lässt. 

- Viele publizierte Bücher haben keine Rezeption. Grob gesagt, eine Rezeption der kroatischen Literatur in Deutschland existiert überhaupt nicht. Es gibt keine kroatische Literatur für den deutschen Leser - sagt Krnić.

Er verweist darauf, dass es zwar individuelle Autoren gibt: Miro Gavran, Ivana Sajko, Daša Drndić, Marica Bodrožić, Miljenko Jergović und andere, jedoch nicht als Einheit, sondern als Einzelautoren - hinter welchen kein System steht. 

- Kroatien bedarf einer Institution, die das Leben des Buches unterstützen würde. Slowenien hat so was Ähnliches. Ein viel kleineres Land, mit einer kleineren Buchproduktion, das jedoch nicht erheblich schwächer am deutschen Markt präsent ist - mahnt Krnić.

Krnić meint, dass der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik, einer vor zehn Jahren gegründeten Organisation, eine Brückenfunktion zwischen der Literatur beider Länder zufallen könnte. Krnić betont, dass diese Gesellschaft, an deren Spitze noch unlängst Professorin Elizabeth von Ermann stand, das miteinander verbinden könnte, wovon wir wissen, dass es in Kroatien wertvoll ist und das, was Deutschland brauchen würde. 

Die Professorin der kroatischen Sprache in Saarbrücken Lucija Šarčević hat in ihrem Vortrag hervorgehoben, dass ein Ausbau der Gesellschaft für Kroatistik zu einem besseren Status der kroatischen Sprache in Deutschland beitragen würde. Auch sie ist auf das künstliche Gebilde des BKS (Bosnisch-Kroatisch-Serbisch) als die einzige Möglichkeit zu einem Studium der kroatischen Sprache in Deutschland zu kommen, eingegangen. 

- Linguistische Ähnlichkeiten bedeuten nicht, dass die Sprachen identisch sind. Die Unterschiede sind nicht nur lexischer und phonologischer, sondern auch kultureller und geschichtlicher Natur - sagt Šarčević. Während sich die Politik mit dem Herausfinden der besten Termini für die Sprache und die Sprachen beschäftigt, möchten die Jugendlichen einfach die Sprache lernen, sei sie Mutter-, Erb-, Zweit- oder Fremdsprache, meint Šarčević. Das müsste man ihnen auch ermöglichen, fügt sie hinzu.

- Theoretisch gesehen umfasst der Name des Faches zwei oder drei Sprachen. In der Praxis findet der Unterricht jedoch auf der Muttersprache des jeweils Vortragenden statt, während die anderen Sprachen bestenfalls unter Heranziehung der komparativen Methode unterrichtet werden - schlussfolgert Šarčević.

An den 38. Zagreber Literaturgesprächen, in der Organisation der Gesellschaft der kroatischen Schriftsteller, nahmen Schriftsteller, Übersetzer, Linguisten, Literaturkritiker und Kulturologen aus Deutschland, Frankreich, Norwegen, Bosnien und Herzegowina, Spanien, Polen, Ungarn und Kroatien teil.