Ist auf Kroaten Verlass?
In vielen Fällen und Situationen wird man in Kroatien mit Verhaltensweisen konfrontiert, aus denen zu erkennen ist, dass die Kroaten es mit der Pünktlichkeit nicht genau nehmen. Das bezieht sich besonders auf die Arbeitseinstellung und die Genauigkeit an sich. Vielleicht kommt aus diesem Grund bei einigen das Bild bzw. das Stereotyp des Jugo-Betrugo auf.
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Charachterisierung von Völkern die in Europa leben und deren Eigenschaften (Foto: Jurica Galoić/PIXSELL)

Jugo-Betrugo

Der Jugo-Betrugo ist im Deutschen ein Reim, der sich auf Ex-Jugoslawen, bezieht. Aus meiner Erfahrung wird mit diesem Reimspruch oft das Stereotyp des Täuschens, ein ums Ohr Hauens eines Balkanlandes bzw. eines Jugoslawen verbunden. Klar hat jedes Land seine Klischees, die sich lange am Leben halten. Diese negativen Stereotypen nehmen wir in unserer alltäglichen Gegenwart als gegeben hin und charakterisieren indirekt oder direkt Völker und deren Eigenschaften in Europa. Die Stereotypen müssen zwar nicht immer mit allen Verhaltensweisen übereinstimmen, doch ich denke, dass in jedem Stereotyp ein Pünktchen Wahrheit drinsteckt. Diese Wahrheit würde ich bei Kroaten aber nicht auf das „Täuschen“ an sich setzen, sondern eher auf die Charakterisierung ein Auge zuzudrücken, manchen Dingen durch die Finger zu schauen, oder es einfach nicht ernst zu nehmen.  

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Das Stereotyp von Blodinen (Foto:Jurica Galoić/PIXSELL)

Zwei Seiten einer Medaille

Mit dieser Charakterisierung meine ich, dass an Kassen oft nicht genaue Beträge zurückgegeben werden oder dass Handwerker bei nötigen Reparaturen im Haus schon mal gar nicht erscheinen. Dann muss man ihnen hinterherlaufen und ständig anrufen, bis man eine Antwort erhält. Man muss in Kroatien bei Behördengängen oder dem Abschließen von Verträgen oft nachhaken, da sich die zuständigen Personen ungenau ausdrücken oder nicht genau arbeiten. Zudem verspäten sich oft die Einheimischen in Kroatien.

Dagegen herrscht in Deutschland Pünktlichkeit, Genauigkeit und Verlässlichkeit. Man kriegt genau das zurück, was man erwarten kann – nicht mehr oder weniger. Im geschäftlichen Sinne ist diese Genauigkeit eine Tugend, an der sich Kroaten eine Scheibe abschneiden könnten. Im zwischenmenschlichen Sinne und im alltäglichen Kontakt und Zusammenleben mit Menschen ist das meiner Meinung nach ein Manko. Man ist in Deutschland zu restriktiv und penibel zu seinen Mitmenschen –  einfach nicht flexibel genug.

Flexibel sein und improvisieren

Wenn man nicht flexibel ist, kann man sich nicht leicht an neue Gegebenheiten anpassen. In diesem Fall kann man mit einer neuen Situation nicht klarkommen und schnell die Orientierung verlieren. Das kann Rückkehrern aus Deutschland leicht passieren, die an die gewisse (staatliche) Ordnung in Deutschland gewöhnt sind und nun mit der verkehrten Wirklichkeit Kroatiens konfrontiert werden.

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Stereotypen der Völker Europas (Foto: Jurica Galoić/PIXSELL)

In Kroatien muss man sich öfter und mehr als in Deutschland alleine zurechtfinden und kann sich nicht auf die gewisse Ordnung und das System verlassen. Aus diesem Grund muss man in Kroatien zu einem gewissen Grad improvisieren und akzeptieren, dass die Dinge anders und langsamer Ablaufen als in Deutschland oder anderen westlichen Ländern Europas. Wenn man dies von vornherein nicht akzeptieren kann, wird man es schwer haben in Kroatien anzukommen. Auf die Frage, ob man sich auf Kroaten verlassen kann, würde ich sagen: Ja! Man muss nur wissen, wie man mit ihrer Ungenauigkeit und Flexibilität umgehen muss.

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position des kroatischen Rundfunks und Fernsehens HRT wider.